Ä G Y P T E N / Misr
Jumhuriyya Misr al-Arabiyya, Arabische Republik Ägypten

letzte Bearbeitung 13.01.2017

Präsidialrepublik auf der Basis einer Verfassung von 2014, die auf einer Verfassung von 1971 basiert, mit der zumindest formell wieder ein Mehrparteiensystem eingeführt worden war. Die Präambel lautet (in englischer Übersetzung): „In the Name of Allah, Most Gracious, Most Merciful. This is Our Constitution, Egypt is the gift of the Nile for Egyptians and the gift of Egyptians to humanity.“
Präsident:, Abdel Fattah al-Sisi (seit 2014; bei seiner Wahl erhielt el-Sisi fast 97% der abgegebenen Stimmen). Die Exekutivgewalt liegt beim Präsidenten, der die Regierung ernennt und dafür die Zustimmung des Parlaments einholen muss. Eine einmalige Wiederwahl ist zulässig.
Frühere Staatschefs: König Fuad I (1922-1936), König Faruk I (1936-1952), Präsident (General) Muhammad Naguib (1952-1954), Präsident Gamal Abdel Nasser (1954-1970), Präsident Anwar el Sadat (1970-1981), Hosni Mubarak (1981-2011), Mohammed Morsi (2012-2013), Adly Mansour (ad interim, 2013-2014)

 

Seit 1882 britisches Protektorat. Unabhängig mit eingeschränkter Souveränität seit 28.2.1922, mit voller Souveränität seit 26.8.1936; Kontrolle über den Suezkanal seit 26.7.1956. Das „de facto Protektorat“ endete mit der Revolution von 1952 und dem damit verbundenen Ende der Monarchie.
Gem. Verfassung besteht das Parlament aus mindestens 450 gewählten Abgeordneten; bis zu 5% werden (zusätzlich) vom Staatschef ernannt. Parteien, die Religion, Rasse, Geschlecht oder regionale Herkunft als konstituierendes Element haben, sind verboten. Die Bestimmungen sind wenig präzise, was die Einschränkung von Kandidaturen und das Vorgehen des Staatschefs betrifft. Die Parlamentswahlen vom Dezember 2015 bestimmten ein Gremium mit.596 Mitgliedern, davon 448 direkt gewählt. Der grössere Teil davon sind „unabhängige“ Kandidaten;
die drei stärksten Parteien sind; Free Egytians Party (izb El Marīyīn El Arār) 65 Sitze, Nation’s Future Party (Hizb Mostaqbal Watan) 53, Neue Wafd Partei (Hizb al-Wafd al-Gadid) 36.

 

1.001.450 km2 gross;.nur 3,6% davon sind landwirtschaftlich nutzbar; 94,3 Mio. Einwohner (2017); 95% der Bevölkerung leben in der Zone entlang des Nils und des Deltas: 43,1% städtische Bevölkerung; Zuwachsrate 2,51% (2016).
Hauptstadt: Kairo (12 Mio. bzw. mit Vororten 19,5 Mio. Einwohner, 2016).
Weitere Millionenstädte: Alexandria (4,7 Mio. 2014), Gizeh, Assiout.
Großstädte: Assouan, Damiette, Ismailia, Suez, Port-Said.
Währung: ägyptisches Pfund; 1 EGP = 100 Piaster; 100 EGP = 5,03 € / 5,39 CHF

 

Offizielle Sprache: Arabisch; weitere Sprachen: Nubische Sprachen. Koptisch hat sich als Kirchensprache erhalten. Obwohl die Bevölkerung weitgehend arabisiert ist, ist doch nur ein kleiner Teil arabischer Abstammung. Ägypten hatte, zumindest bis in die 1950er Jahre, wirtschaftlich starke Minoritäten: Griechen, Franzosen, jüdische Diaspora.

 

Wirtschaft: Früher geprägt durch eine Baumwollmonokultur. Der Mangel an bebaubarer Fläche – nur 2,9% der Fläche sind für Anbau nutzbar  – und die stark ansteigende Bevölkerungszahl machten jedoch eine agrarische Exportproduktion immer schwieriger. Heute muss Weizen, früher ein Exportprodukt, eingeführt werden (rd. 6 Mio. Jahrestonnen), um die Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen.
Große Infrastrukturprojekte wie der Assuanstaudamm (1970 vollendet) brachten zwar eine Steigerung der Agrarproduktion, haben jedoch auch negative (ökologische) Folgen.
Die Industrie produziert vor allem für den einheimischen Markt. Erdöl, Export von (Früh)gemüse, Tourismus und die Gebühren für die Benützung des Suezkanals bringen den Großteil des Staatseinkommens. Baumwolle verliert immer mehr an Bedeutung.
Ausgelaugt durch die Kriege gegen Israel und die Teilnahme am Bürgerkrieg in Jemen, angesichts hoher Verschuldung und fehlender Eigendynamik kann sich Ägypten trotz einer wieder aufgenommenen Unterstützung durch die konservativen Erdölländer nicht aus der Abhängigkeit vom westlichen Kapital befreien.
Mehrere Abkommen mit dem IWF seit 1991 brachten in Verbindung mit Schuldenerlass und Strukturanpassung eine Verbesserung der Wirtschaftsdaten. Die Folgen der auferlegten Strukturanpassung (Arbeitslosigkeit - 12,8% im Jahr 2015), sinkende Einkommen der Bauern und steigende Lebensmittelpreise trafen vor allem die Unterschicht.
Daten aus 2015: BNP: 330,8 Mrd. US-$; Wirtschaftswachstum: 4.2%; Auslandsschuld 44,6 Mrd. US-$; Inflation: 10,4%. Exporte im Wert von 19,3 Mrd. US-$ standen Importen von 57,2 Mrd. gegenüber.
Die Einkünfte aus dem Tourismus decken das Handelsbilanzdefizit zum Teil ab, doch ist der Erfolg sehr unterschiedlich: Bombenanschläge auf Touristen, Polizei und Armee, der internationale Terror, die Revolution („Tahrir Platz“) und zuletzt die politischen Auseinandersetzungen zwischen der Armee und der islamistischen Bewegung um Mohammed Morsi verursachten und verursachen immer wieder Einbrüche. Erreichten die Einkünfte aus dem Tourismus in den besten Jahren über 12 Mrd. US-$, so waren es 2014 nur 7,5 Mrd., was jedoch gegenüber 2013 (5,9 Mrd.) bereits eine deutliche Steigerung bedeutete.