A L G E R I E N / Al Jaza’ir
Al-Jumhuriyah al-Jazairiyah ad-Dimuqratiyah ash-Shabiyah / Demokratische Volksrepublik Algerien

letzte Bearbeitung 13.01.2017

Präsidialrepublik auf der Basis einer Verfassung von 1996, zuletzt 2016 abgeändert. Bei den Präsidentenwahlen im April 2014 wurde der amtierende Staatschef mit einem fragwürdig hohen Vorsprung (81,5%) vor dem früheren Regierungschef Ali Benflis (12%) zum vierten Mal ins Amt gewählt.
Präsident: Abdelaziz Bouteflika (seit 1999)
Frühere Staatschefs: Ahmed Ben Bella (1962-1965), Houari Boumedienne (1965-1978), (Oberst) Chadli Bendjedid (1978-1992), Mohamed Boudiaf (1992), 
Ali Kafi (1992-1994), Gen. Lamine Zeroual (1994-1999)

 

Unabhängig seit 5. Juli 1962; nach der Revision der Einparteienverfassung Ende 1989 entstanden neben der früheren Einheitspartei FLN (Front de Libération Nationale) zahlreiche Parteien unterschiedlicher regionaler und ideologischer Ausrichtung.
Als sich bei den Wahlen von 1991 ein hoher Sieg der Islamischen Heilsfront (FIS, Front Islamique du Salut) abzeichnete, griff das Militär ein und unterbrach den Demokratisierungsprozess. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Anhängern islamistischer Gruppen und Militär/Polizei sowie Terrorakte prägten danach die Innenpolitik Algeriens.
Das Parlament besteht aus zwei Kammern: „Nationale Volksversammlung“ (Assemblée Populaire Nationale /Al-Majlis al-Shaabi al-Watani, Legislaturperiode 5 Jahre) und „Nationaler Rat“ (Conseil de la Nation / ).
Die 144 Abgeordnet des Nationalen Rates werden zu einem Drittel vom Präsidenten ernannt; die übrigen indirekt durch regionale Gremien gewählt.
Im Mai 2012 wurden 462 Mitglieder des Assemblée Nationale gewählt, davon gehörten 208 zum FLN (Abdelmalek Sellal, Regierungschef), 62 zum Rassemblement National Démocratique (Ahmed Ouyahiya), 49 zur Alliance Algerie Verte (Bouguerra Soltani), 27 zum Front de Forces Socialistes (Hocine Ait Ahmed) und 24 zum Parti des Travailleurs (Louisa Hanoune). 22 weitere Parteien erhielten unter 10 Sitzen und ein Teil der Delegierten kandidierten als „Unabhängige“.

 

2.381.741 km2 gross; 40,4 Mio. Einwohner (2016); dazu über 800.000 Emigranten vor allem in Frankreich; 29,3% ländliche Bevölkerung; Zuwachsrate 1,77% (2016). Im Süden des Landes leben rd. 90.000 Sahrauis in Flüchtlingslagern.
Hauptstadt: Alger / al Jaza‘ir (2,6 Mio. Ew. – mit Vororten 7,8 Mio. Ew., 2015).
Weitere grosse Städte: Oran (Wahrân), Constantine (Qustantînah), Batna, Annaba, Setif u.a..
Währung: Dinar. 100 DZD = 0,85 € / 0,92 CHF

 

Offizielle Sprache: Arabisch; andere wichtige Sprachen: Berbersprachen (Kabylisch, Tamazight etc.), Französisch. Zusätzlich zur Problematik, die sich aus der Weiterverwendung der früheren Kolonialsprache ergibt, prägen der starke Unterschied von Hocharabisch und arabischen Umgangssprachen, sowie die Wiederaufwertung des Berberischen durch oppositionelle Gruppen die unterschiedlichen Situationen der Kommunikation.

 

Wirtschaft: Die Lage wird bestimmt durch das Zusammenspiel bzw. die Disproportionalität der Entwicklung in drei Sektoren: Landwirtschaft, Industrie und Bergbau (Erdöl, Erdgas, Eisen, Phosphat u.a.). 95% der Exporte, 60% des Budgets und 30% des Bruttosozialprodukts kommen aus dem Erdölabbau. Algerien ist derzeit der zweitgrösste Exporteur von Erdgas. 3,1% des Bodens sind für Feldbau nutzbar, 13,8% sind Weideflächen. Wichtigste landwirtschaftliche Produkte: Weizen, Gerste, Agrumen, Gemüse, Weintrauben bzw. Wein, Oliven(öl), Kartoffeln.
Die Kosten für die Industrialisierung und die Landreform, die vor allem unter Boumedienne besondere Unterstützung fanden, sowie für die Ausweitung der Verwaltung und des Bildungssektors, konnten nur über die Exporte aus dem Sektor Energie finanziert werden. Die schwankenden Preise von Erdöl und die schwierigen Verhandlungen um den Erdgaspreis wurden zu den Ursachen für eine steigende Verschuldung. Seit den 1990er Jahren vollzieht Algerien unter Kontrolle der Internationalen Finanzinstitutionen eine rigorose Privatisierung und Liberalisierung der Wirtschaft.
BIP (2015): 168,3 Mrd. US-$. 2016 lag das Wirtschaftswachstum bei 3,6%, die Arbeitslosigkeit bei 10,5% (wobei die städtische Arbeitslosigkeit etwas höher ist als die ländliche); Inflation 6,7%, Exporte: 26,91 Mrd. US-$. Importe: 44,6 Mrd. US-$; die Handelsvolumen reduzierten sich damit enorm gegenüber 2015; Auslandsverschuldung: 5,4 Mrd. US-$.
Durch den seit 1992 andauernden inneren Krieg wurde auch die Wirtschaft in unterschiedlichen Bereichen schwer geschädigt: der Tourismus kam weitgehend zum Erliegen.