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República de Angola

letzte Bearbeitung 02.11.2017

 

Präsidialrepublik auf der Basis einer Verfassung aus 2010; der Präsident wird vom Parlament gewählt und übt zugleich das Amt des Regierungschefs aus. Obgleich bereits 1991 ein demokratisches Mehrparteiensystem eingeführt wurde, wird international das Land immer noch als „Keinparteienstaat“ (Freedom Hous Rating „not free“) charakterisiert. Von der Unabhängigkeit bis 2002 machten bewaffnete Auseinandersetzungen ein politisches Leben nahezu unmöglich. Nach dem Tod von Jonas Savimbi (Februar 2002) fand der Bürgerkrieg ein Ende, sieht man von den Anschlägen der FLEC (Frente para a Libertação do Enclave de Cabinda) ab.
Präsident: Joao Manuel LOURENCO (2017 - )
Vorgänger: Agostinho NETO (1975 - 1979), José Eduardo DOS SANTOS (1979-2017)

Unabhängig seit 11.11.1975. Der Befreiungskrieg ging 1975 in einen Bürgerkrieg zwischen den stärksten Gruppierungen MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola), FNLA (Frente Nacional de Libertação de Angola) und UNITA (Uniao Nacional para a Independência Total de Angola) über. 1976 setzte sich der MPLA militärisch durch, doch führten die unterlegenen Gruppen, vor allem die UNITA, ihre bewaffneten Aktionen bis zu einem Friedensabkommen in 1991 fort. Die Wahlen im Herbst 1992 brachten einen Wahlsieg des regierenden MPLA (129 von 220 Abgeordneten), der von der UNITA unter Jonas Savimbi nicht akzeptiert wurde. Der Bürgerkrieg dauerte, trotz zahlreicher Verhandlungen zwischen MPLA und UNITA, internationaler Embargos und einer Aufteilung der UNITA auf drei Fraktionen bis 2002 an.
In den 
Wahlen vom August 2017 erhielten folgende Parteien Sitze: MPLA 150, UNITA (Isaias Samakuva) 51, CASA-CE (Convergência Ampla de Salvação de Angola-Coalition Electoral, Abel CHivukuvuku) 16, PRS  (Partido de Renovação Social, Eduardo Kuangana) 2, FNLA (2 Fraktionen: Lucas Ngonda, Ngola Kabangu) 1.

1.246.700 km2 gross - davon entfallen 7.270 km2 auf die Exklave Cabinda, die durch einen Korridor der Dem. Republik Kongo vom übrigen Land im Süden getrennt ist. 25,8 Mio. Ew. (2016); Zuwachsrate 3,52% (2017);  45,6% städtische Bevölkerung (2017). Aufgrund des Bürgerkriegs wurde rund 1,5 Mio. Menschen getötet und 4 Mio. wurden zu Flüchtlingen, die erst allmählich wieder in ihre Heimatregionen zurückkehren.
Hauptstadt: Luanda (6,5 Mio. Ew. 2014). Weitere grosse Städte: Huambo (1,9 Mio.), Lobito, Benguela, Lubango. Vor allem Luanda musste sehr viele Flüchtlinge aus den Provinzen aufnehmen.
Währung: Kwanza (AOA). 100 AOA = 0,52 € / 0,60 CHF

Offizielle Sprache: Portugiesisch; Landessprachen: Bis auf eine verschwindende Minderheit von Khoi-san, Sprachen aus 9 verschiedenen Bantugruppen: Kongo (13%), ki-Mbundu (25%), Lunda, Ovi-Mbundu (37%), Ganguela, Naneka, Ovambo, Herero, Ndonga. Der Anteil der Europäer, 1970 über 7%, ist auf 1% zurückgegangen.

Wirtschaft: Während im Export anfangs landwirtschaftliche Produkte dominierten, gewannen seit 1960 mineralische Rohstoffe immer mehr Bedeutung - Erdöl, Diamanten, Eisen, Phosphate, Kupfer, Uranium. Angola ist Mitglied der OPEC und das Erdöl erbringt etwa 50% des Nationalprodukts, etwa 90% der Eingänge aus dem Export und über 70 % des Staatseinkommens.
47,3 % des Bodens sind landwirtschaftlich nutzbar, der Grossteil davon Weideland. Von dem einst wichtigsten landwirtschaftliches (Export-)Produkt Kaffee wird heute kaum noch der lokale Bedarf gedeckt, daneben gingen früher Sisal, Baumwolle, Zuckerrohr, Palmöl, Mais, Tabak in den Export. Das bedeutendste Grundnahrungsmittel ist Maniok.
Die koloniale Wirtschaft erzeugte zwei völlig verschiedene Wirtschaftszonen. Das Zentralgebiet, Hinterland von Luanda und Benguela, ist am dichtesten besiedelt und der Exportwirtschaft ausgeliefert, während die Peripherie, der Osten, Süden und extreme Norden, vor allem durch Subsistenz im Bereich Ackerbau und Viehzucht gekennzeichnet ist. Nur 3,8% sind für Ackerbau nutzbar; die Nachfrage nach Tropenholz, aber auch der steigende Bedarf an Brennholz führen zur Zerstörung der Wälder.
Die Wirtschaft musste durch die Bürgerkriege grosse Einbussen hinnehmen; dazu wurde die Infrastruktur des Landes weitgehend zerstört. Für Waffenkäufe verpfändete die Regierung die Einkünfte aus dem Verkauf von Rohstoffen auf Jahrzehnte. Wichtige Handelspartner sind weiterhin die Rohstoffabnehmer unter den westlichen Industrieländern (EU, USA), aber China hat sich seit einigen Jahren an zweiter Stelle positioniert – nach der EU bei den Importen und nach den USA bei den Exporten.
2016 betrug das BIP 95,8 Mrd. US-$ und das Wirtschaftswachstum 0%. Die Inflationsrate von Mai 2000 lag bei 438%, reduzierte sich bis 2012 auf 10,3%, stieg aber 2016 wieder auf 32,4%. Die Handelsbilanz von 2016: Importe 19,25 Mrd. US-$, Exporte 31 Mrd. US-$. Die Auslandsschulden betrugen Ende 2016 27,14 Mrd. US-$.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise liess ab 2008 das Wirtschaftswachstum einbrechen, doch schon vorher hatte die breite Bevölkerung wenig von den Eingängen aus dem Export profitiert. Mehr als die Hälfte der Bürger ist arbeitslos; 40,5% leben mit weniger als die Grenze der absoluten Armut (Weltbank 1,9 US-$ pro Tag). Subsistenzwirtschaft garantiert das Überleben von 80% bis 90% der Angolaner. Im Korruptionsindex von 2016 liegt Angola an Platz 164 von 176 eingestuften Ländern.