E R I T R E A
Hagere Eretra / al-Dawla al-Iritra, „Staat Eritrea“

Letzte Bearbeitung 25.01.2017

Republik „im Aufbau“; nach einer de facto Trennung von Äthiopien im Mai 1991 brachte ein international überwachtes Referendum 1993 eine nahezu 100%ige Zustimmung für den neuen Staat. Die dominierende politische Gruppe (EPLF, Eritrean People's Liberation Front, ab 1994 PFDJ, People’s Front for Democracy and Justice) richtete 1993 eine provisorische Regierung und ein Parlament für eine Übergangsperiode von 4 Jahren ein, die bis heute nicht beendet ist.
1997 wurde eine Verfassung angenommen, jedoch nicht umgesetzt; 2014 begannen erneut Verfassungsgespräche.
Staatschef: ISAIAS Afwerki (seit 1991 Generalsekretär der EPLF und interimistisch Staatschef, seit 1993 als Präsident durch die Nationalversammlung gewählt); er ist zugleich Staatschef, Parlamentspräsident, Regierungschef und Vorsitzender des Staatsrates.

Offizieller Unabhängigkeitstag 24. Mai 1993; seit 1993 besteht die Nationalversammlung (Hagerawi Baito) aus den 75 Mitgliedern des Zentralkomitees der PFDJ und 75 gewählten Abgeordneten. Eine verfassunggebende Versammlung beschloss 1997 eine Verfassung, deren Inkrafttreten noch aussteht; erste Wahlen waren für 2001 vorgesehen, wurden aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Es gibt eine Reihe von Oppositionsparteien im Exil, darunter die frühere Befreiungsfront ELF (Eritrean Liberation Front, Abdella Idris Mohammed). 1999 wurde in Khartoum eine Alliance of Eritrean National Force gegründet – später ENA, Eritrean National Alliance, der auch die ELF angehört. Das Regime um Staatschef Aferwerki regiert vor allem seit dem Ende des Krieges mit Äthiopien im Dezember 2000 zunehmend autoritär und unter Einsatz von Militärgewalt.

124.320 km2 gross (117.600 km2 gem. CIA factbook); die Festlegung der Grenzen durch die Eritrea-Ethiopia Boundary Commission (EEBC) der UNO in 2007 wurde von Eritrea, aber nicht von Äthiopien anerkannt. 5,86 Mio. Einwohner (2016). Zuwachsrate 0,81%, 80% ländliche Bevölkerung; hohe Abwanderungsrate.
Hauptstadt: Asmara (rd. 1 Mio. Einwohner, 2016); andere grosse Städte: Massawa, Keren, Assab.
Währung: Nakfa; 100 ERN = 6 € / 6,5 CHF

Offizielle Sprache: keine; „Arbeitssprachen“: Tigrinya, Arabisch, Englisch. 9 Bevölkerungsgruppen: Tigre und Tigrinya machen zahlenmässig den grössten Anteil aus (85%), dann Afar, Baria, Bilein, Hedareb, Kunama, Rashaida (Arabisch) und Saho. Arabisch hat, aufgrund des hohen Anteils muslimischer Bevölkerung, neben Englisch eine wichtige Rolle in Erziehung und Kommunikation.

Wirtschaft: Offizielle Daten sind kaum vorhanden. Die Wirtschaft ist agrarorientiert. etwa 75% der Fläche ist landwirtschaftlich nutzbar; der grösste Teil (über 68%) allerdings nur als Weideland.
Die Landwirtschaft beschäftigt 80% der Bevölkerung, trägt aber nur 17% zum Bruttosozialprodukt bei. In den Export gehen Kaffee, Baumwolle, Früchte, Fleisch und Häute. BIP (2015) 5,3 Mrd. US-$; Wirtschaftswachstum 4,8%; Inflation (2016): 11,8%. Im Jahr 2016 standen (geschätzte) Exporte im Wert von 485 Mio. US-$ Importen im Wert von 1,03 Mrd. US-$ gegenüber; Auslandsverschuldung (2016) 820 Mio. US-$.
Das Land ist auf Unterstützung von aussen angewiesen. 40%-50% des BSP kommt aus den Zahlungen emigrierter Eritreer an ihre Familien (2%ige Emigrantensteuer). Ein steigender Anteil der Bevölkerung emigriert (vor allem in die Golfstaaten) auf der Suche nach Arbeit oder flüchtet aus politischen Gründen. Die Militärausgaben betrugen 2001 knapp 20% des Budgets.
Investitionen in die Landwirtschaft sollen die Produktion von Nahrungsmitteln ankurbeln. Von einiger Bedeutung ist auch der Fischfang. Eritrea hat derzeit Rechte an Ägypten abgetreten.
Die staatseigenen Firmen sollen privatisiert werden. Der Staat rechnet neben der Landwirtschaft auf den Bergbau (Kupfer, Gold, Pottasche, Erdgas und Erdöl) als nationale Einkommensquelle. Dementsprechend wichtig sind Gesetze die den Bergbau und fremde Investitionen regeln.
Die Finanzierung des Wiederaufbaus erfolgt durch breite internationale Unterstützung von Weltbank/IMF, EU, arabischen Ländern, doch brachte der neuerliche Krieg mit Äthiopien die wirtschaftliche und soziale Stabilisierung in Wanken und die fehlende Demokratieentwicklung sowie die Zunahme der Menschenrechtsverletzungen haben eine zurückhaltende Geberpolitik zur Folge.