G U I N E A (Conacry)
République de Guinée

letzte Bearbeitung 29.01.2017

Präsidialrepublik auf der Grundlage einer Verfassung von 1990, 2010 novelliert und bestätigt. Seit April 1992 existiert ein Mehrparteiensystem. Im Dezember 2010 kam nach längerer Militärregierung Alpha Conde durch eine Wahl ins Amt.
Präsident: Alpha CONDE (2010 -, 2015 wiedergewählt)
früherer Staatschef: Ahmed SEKOU TOURE (1958-1984), General LANSANA CONTE (1984-2008), Hptm. Moussa Dadis CAMARA (2008-2009), Gen. Sekouba KONATE (ad interim 2009-2010)

Unabhängig seit 2.10.1958. In den Jahren der Militärregierung gab es eine Konsolidierung der Macht auf Lansana Conté. Nach irregulären Präsidentenwahlen im Jahr 1993, durch die sich Lansana bestätigen liess, fanden im Juni 1995 zum ersten Mal seit 1958 wieder Parlamentswahlen unter Beteiligung mehrerer Parteien statt. Sie waren durch grobe Manipulationen von Seiten der Regierung und Bürokratie gekennzeichnet.
2010 berief die Übergangsregierung einen Nationalen Rat mit 155 Mitgliedern ein, der den Transitionsprozess steuerte. Im September 2013 gab es Wahlen, die durch zahlreiche Irregularitäten gekennzeichnet waren. Verteilung der 114 Mandate, wobei ein Teil direkt, ein weiterer proportional zu den Stimmenanteilen besetzt wird: Rassemblement du Peuple de Guinée (RPG) Arc en ciel (Alpha Conde) 53, Union des Forces Démocratiques de Guinée (UFDG, Mamadou Cellou Dalien Diallo) 37, Union des Forces Républicaines (UFR, Sidya Touré) 10, je 2 Mandate gingen an die Union pour le progrès de la Guinée (UPG) und den Parti de l'Espoir pour le Développement National (PEDN). 10 weitere Parteien erhielten je einen Sitz.

245.857 km2 gross; 12 Mio. Einwohner (2016), davon ca. 63% ländliche Bevölkerung. Zuwachsrate 2,62%. Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in den Nachbarstaaten kamen zahlreiche Flüchtlinge (1999 waren es laut UNHCR über 500.000) nach Guinea.
Hauptstadt: Conacry (1,9 Mio. Ew. 2015); andere Städte mit mehr als 200.000 Ew.: Kankan, Boké, Kindia, Nzerekore, Guékédou, Kissidougou, Faranah.
Währung: Guinea Franc. 10.000 GNF = 0,98 € / 1,05 CHF
 

Offizielle Sprache: Französisch
Nationalsprachen: Ful (40%), Malinke (30%), Sussu (20%), Kissi, Kpelle, Toma

Wirtschaft: Nach dem Tod Sekou Tourés stand die Militärregierung einer total zusammengebrochenen Wirtschaft gegenüber. Es gab kaum Daten, die eine selbst ungefähre Darstellung der Verhältnisse erlaubt hätten. Selbstversorgung, Schmuggel und Schwarzmarkt auf der einen Seite, ein aufgeblähter politischer und administrativer Apparat auf der anderen kennzeichneten die Situation.
Wichtigste Nahrungsmittel sind Mais, Maniok, Reis und Kochbanane. Die eigene Produktion reicht nicht aus, so dass Lebensmittel (Reis, Zucker, Mehl, Fette etc.) eingeführt werden müssen: 1999 waren es über 160.000 t Reis und 117.000 t Mehl. 76% der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft; 58% des Bodens sind landwirtschaftlich nutzbar, davon etwa 1/5 für Pflanzenbau, und 26,5% sind Waldbestand.
Exportprodukte des landwirtschaftlichen Sektors (Kakao, Kaffee, Ananas; Rinder) bzw. Fische machen nur einen kleinen Teil der Ausfuhren aus, die von Bauxit (1999: 62%), Gold und Diamanten dominiert werden. Guinea besitzt 30% der Weltreserven an Bauxit und ist derzeit der zweitgrößte Produzent. Auch die noch nicht aufgeschlossenen Eisenvorkommen gelten als weltweit die grössten.
IMF und Weltbank forderten bereits die Militärregierungen auf, ein Anpassungsprogramm durchzuführen: Reduktion der Verwaltungskosten und der Zahl der Staatsangestellten (von 90.000 auf unter 50.000), Abwertung der Währung, Umschuldung, Privatisierung der Staatsbetriebe, Beseitigung der staatlichen Kontrolle in der Wirtschaft und der Preiskontrolle etc. 2006 lebten 47% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze.
Nach 2000 führte die Gefahr eines Übergreifens bewaffneter Auseinandersetzungen auf Guinea zu einem teilweisen Rückzug der Minengesellschaften, einem verringerten Wirtschaftswachstum (3% in 2004) und steigender Inflation (14,8% in 2004); 2003 stellten Weltbank und IMF alle Unterstützungszahlungen ein und nahmen sie erst nach 2010 wieder auf, verbunden mit Auflagen wie dem Kampf gegen Korruption.
Obgleich Guinea sowohl in der Landwirtschaft als auch der Rohstoffproduktion grosse Reserven hat, verhindern die fehlende bzw. zusammengebrochene Infrastruktur, die Bürokratie, der unsichere Investitionskontext bzw. fehlendes Management eine essentielle Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.
BIP 6,75 Mrd. US-$ (2015), Schlüsseldaten aus 2016: Wirtschaftswachstum 3,8%, Inflation 8,6%, Exporte im Wert von 1,7 Mrd. US-$ und Importe im Umfang von 2,18 Mrd. US-$, Auslandsverschuldung 1,33 Mrd. US-$. China (bei den Importen) und Indien (bei den Exporten) nehmen eine zunehmend wichtige Position als Handelspartner ein.