K E N Y A

Jamhuri ya Kenya / Republic of Kenya

letzte Bearbeitung 01.02.2017

Republik mit einer Präsidialverfassung von 2010, die die Unabhängigkeitsverfassung von 1964 ersetzte. KANU (Kenya African National Union) war bis 1991 Einheitspartei. Die, durch die Opposition und westliche Industriestaaten erzwungene, Wiederzulassung von Oppositionsparteien konnte die dominierende Position von KANU vorerst nicht gefährden. Erst der Zusammenschluss der Opposition in einer „Regenbogenkoalition“ brachte 2002 einen Regimewechsel. Die neue Regierungskoalition zerbrach allerdings bald, Kibaki erfuhr beim Verfassungsreferendum 2005 eine Niederlage und die Wahlen Ende 2007 hatten gewaltsame Auseinandersetzungen zur Folge, ausgelöst durch Wahlschwindel und die überstürzte neuerliche Amtsübernahme durch den regierenden Präsidenten Kibaki. Nach der Verfassung von 2010 ist der Präsident zugleich Regierungschef.
Präsident: Uhuru KENYATTA (2013 - )

Früherer Staatschef Jomo KENYATTA (1963-1978), Daniel Toroitich arap MOI (1978-2002), Emilio Mwai KIBAKI (2002-2013)

Unabhängig seit 12.12.1963, Präsidialrepublik seit 12.12.1964. Das Parlament umfasst 2 Kammern: Senat mit 68 Sitzen, davon 47 durch Wahl bestimmt und 16 weibliche Mitglieder, durch Parteien entsandt; die Nationalversammlung hat 350 Mitglieder, davon 337 direkt gewählt (47 davon in eigenen Frauenwahlkreisen), dazu der Sprecher und 12 von Parteien entsendete Abgeordnete.
Aufgrund der Wahlen vom März 2013 erhielten im Abgeordnetenhaus: ODM (Orange Democratic Movement, Raila Odinga) 96 Mandate, TNA (National Party Alliance, Uhuru Kenyatta) 89, URP (United Republican Party, Vizepräsident William Ruto) 75, WDM-K (Wiper Democratic Movement) 26, UDF (United Democratic Forum Party) 12, FORD-K (Forum for the Restoration of Democracy–Kenya) 10, New Ford Kenya 7, KANU (Gideon Moi) 6. 12 weitere Parteien und unabhängige Kandidaten besetzen die übrigen Mandate.
Die Parteien sind weitgehend in Koalitionsverbänden organisiert: Die Jubilee Coalition verbindet die beiden Regierungsparteien TNA und URP; in Opposition: CORD (Coalition for Reforms and Democracy, besteht u.a. aus ODM, FORD-K und WDM), Amani coalition (KANU, UDF)
Im Senat hat die Jubilee coalition 27+3 Sitze; CORD coalition 24+2; die übrigen werden von kleineren Parteien gestellt.

 

580.367 km2 gross; 44,1 Mio. Einwohner (2015, gem. Nat. Statistik, KNBS); knapp 75% ländliche Bevölkerung; Zuwachsrate 1,81% (2016); laut UNHCR (2015) leben rd. 650.000 Flüchtlinge aus Nachbarländern (Somalia, Südsudan) in Kenya; die Unruhen nach den Wahlen 2007 machten rd. 500.000 Menschen zu Flüchtlingen im eigenen Land.
Hauptstadt: Nairobi (4,5 Mio. Ew. 2012). Weitere Grossstädte: Mombasa (Hafen, 966.000 Ew.), Nakuru (285.000), Kisumu (225.000), Eldoret (236.000).
Währung: Kenyanischer Shilling, 100 KES = 0,89 € / 0,95 CHF

Offizielle Sprachen: Englisch und Swahili.
Weitere Landessprachen (grosse Gruppen): Kikuyu (22%), Luhya (14%), Kamba (11%) - alles Bantusprachen; Luo (13%, nilotische Sprache). Kenya hat auch bedeutende nichtafrikanische Minderheiten: Inder (ca. 89.000), Europäer (ca. 35.000), Araber (42.000) (nach Census 1989)

Wirtschaft: Vorwiegend auf die Erzeugung und den Export landwirtschaftlicher Produkte ausgerichtet, vor allem Blumen, Gemüse, Kaffee und Tee. 48,1% des Bodens sind landwirtschaftlich nutzbar, doch nur etwa 1/5 davon für Pflanzenbau.
Als wichtigster Devisenbringer gilt der Tourismus, und zwar vorwiegend der Massentourismus (ca. 1,51 Mio. Touristen 2013, vor allem aus Deutschland, doch kommen auch zunehmend Reisende aus Indien). Die Unruhen 2007 und Terroranschläge (2013)  
brachten einen starken Einbruch, von dem sich der Tourismus allmählich wieder erholt.
Kenya verfolgte durchgehend einen kapitalistischen Wirtschaftskurs. Innerhalb der Ostafrikanischen Gemeinschaft (mit Uganda und Tanzania) fungiert es seit der Kolonialzeit als Subzentrum, das in den Nachbarländern einen günstigen Markt für seine industrielle Produktion hat.
Nationales und lokales indisches Kapital trug zu einer relativ gut ausgebauten industriellen Produktion bei, doch brachten die weltweite Krise und die zunehmenden innenpolitischen Spannungen in den 1980er Jahren Rückschläge. Die Trockenheit 1999/2000 und der Verfall der Preise bei Kaffee und Tee liessen die Wirtschaft schrumpfen; inzwischen hat das Wirtschaftswachstum wieder auf 6% (2016) zugenommen.
Mit Exporten von 6,63 Mrd. US-$ und Importen von 16,34 Mrd. US-$ (2016) ist das Land deutlich auf Einkünfte aus Transfers, Entwicklungshilfe und Tourismus zur Abgleichung des Handelsbilanzdefizits angewiesen.
Arbeitslosigkeit - 2013 waren es 40% - und Landflucht lassen das städtische Subproletariat ständig anwachsen (43% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze). Dadurch steigt einerseits die Unsicherheit und die Spannung in den Ballungszonen, anderseits kommt es zu einer zunehmenden Selbstbeschäftigung im Rahmen des informellen Sektors (handwerkliche Produktion, Handel und Dienstleistungen). 2016 betrug das BIP 69,17 Mrd. US-$, die Inflation 6,2% und die Auslandsverschuldung über 20 Mrd. US-$: als Reaktion auf Korruption und falsches Management stellten Weltbank und IMF 2006 ihre Leistungen für Kenya ein, haben jedoch inzwischen die volle Zusammenarbeit wieder aufgenommen, ohne dass sich an Korruption und staatlichen Ausgaben viel geändert hat.