K O M O R E N
Udzima wa Komori / Union des Comores / Jumhuriyat al Qamar al Muttahidah

Letzte Bearbeitung: 12.11.2017

Föderative Republik auf der Basis einer Verfassung von 2001 (basierend auf dem Fomboni-Übereinkommen von 2000), die den drei im Staatsverband gebliebenen Inseln weitgehende Autonomie einräumt. Die Präsidentschaft soll rotierend alle 5 Jahre Politikern einer jeweils anderen Insel zukommen. Der Präsident ist zugleich Regierungschef.
Der Inselstaat besteht aus den Inseln Ngazidja (Gross-Komoren), Nzwani (Anjouan) und Mwali (Moheli); Mahoré (Mayotte), dessen Bevölkerung sich für einen Verbleib bei Frankreich entschieden hat, ist ein Territorium mit Sonderstatus. 1997 versuchte auch Nzwani den Anschluss an Frankreich zu erzwingen, scheiterte jedoch vor allem an Frankreichs Ablehnung.
Präsident: (Obst.) AZALI Assoumani (1999-2006, 2016 - )
Frühere Staatschefs: Said M. JAFFAR (1975), Ali SOILIH (1975-1978), Mohamed AHMED (1978 für einige Zeit nach dem Sturz Soilihs Kopräsident Abdallahs), Ahmed ABDALLAH Sambi (1975 und 1978-1989), Said Mohamed DJOHAR (1989-1996), Mohammed Taki ABDOULKARIM (1996-1998), Tadjidine Ben Said MASSOUNDE (1998-1999, ad interim), Ahmed Abdallah Mohamed SAMBI (2006-2011),
IKILILOU Dhoinine (2011-2016)

Unabhängig nach einer einseitigen Erklärung durch das Regionalparlament seit 6.7.1975. Über 20 gewaltsame Regimewechsel bzw. Putschversuche prägen die Zeit seit der Unabhängigkeit. Mit Ausnahme der Aussen- und Verteidigungspolitik, sowie eines Rahmens für die Wirtschaftspolitik liegen alle Befugnisse bei den Lokalregierungen; besonders heftige Diskussionen gibt es über die Frage der Steuerhoheit bzw. der Verteilung des Steuereingangs. Das Parlament der Union besteht aus 33 Abgeordneten, von den 24 direkt gewählt und 9 von den Lokalversammlungen delegiert werden. Bei den Wahlen vom Jänner/Februar 2015 sicherte sich die Union pour le développement des Comores (UPDC, Mohamed HALIFA) 11 Sitze, der Parti JUWA (« Le Soleil », Ahmed Abdallah SAMBI) 10; der Rassemblement démocratique des Comores (RDC) 4 und die Convention pour le Renouveau des Comores (CRC) erhielt 2 Mandate. Die übrigen Sitze gingen an weitere zwei Parteien und Unabhängige.

1.562 km2 gross (2.033 km2 inklusive Mayotte), 808.080 Einwohner (2017); Ngazidja (knapp 400.000, 2015), Nzwani (278.000, 2006), Mwali (38.000, 2006). über 70% ländliche Bevölkerung. Zuwachsrate 1,64%. Als Folge der Überbevölkerung sind 150.000 bis 200.000 Menschen nach Madagaskar, Mauritius, Festlandafrika und Frankreich ausgewandert.
Hauptstadt: Moroni (56.000 Ew. 2014) auf Ngazidja.
Währung: Komorischer Franc; 1.000 KMF = 2,03 € / 2,35 CHF.

Offizielle Sprachen: Komorisch (ein von der Standardform stark abweichendes Swahili), Französisch und Arabisch (hat vor allem in Verbindung mit dem Islam Bedeutung bzw. dient zur Verschriftlichung der komorischen Varietäten); neben den 4 oder 5 Varietäten des ShiKomore wird auch eine Varietät des Madagassischen gesprochen.

Wirtschaft: Ausschliesslich auf Landwirtschaft ausgerichtet: 84,4% des Bodens landwirtschaftlich nutzbar. Ausserhalb des Subsistenzsektors (Bananen, Maniok, Süsskartoffeln, Mais, Reis) dominieren Exportkulturen, wie Vanille, Nelken, Pflanzen zur Produktion von Ölen für die Parfumerzeugung (wie Ylang Ylang) und Kopra.
Produktion, Vermarktung und Export werden durch ausländische Gesellschaften dominiert (vor allem französische). Einheimische, vor allem aus den traditionell dominierenden grossen Familien, haben bedeutende wirtschaftliche Position als Besitzer von Plantagen und Importeure von Grundnahrungsmitteln (wie etwa Reis).
BIP (2016): 613 Mio. US-$; Wirtschaftswachstum 2,2%, Inflation: 1,8%, 132 Mio. US-$ Auslandsschulden (2016).
Die Handelsbilanz ist hoch defizitär (2016: 189 Mio. US-$ Importe, 17,9 Mio. US-$ Exporte). Eine Deckung des Defizits erfolgt weitgehend durch Subventionen aus dem EU-Raum und durch die Transferzahlungen der Migrant_innen. Die wichtigsten Handelspartner sind Indien bzw. China, Frankreich und die übrige EU, und vor allem für den Nahrungsmittelimport Madagaskar, Kenya und Thailand.
Entwicklung erwartet man vor allem in den Sektoren Fischfang, Tourismus und Industrie, doch erschwert der Mangel an Rohstoffen, das niedrige Bildungsniveau und die fehlende Infrastruktur eine rasche Besserung der wirtschaftlichen Situation. Die unsichere politische Lage hat dazu geführt, dass kaum noch investiert wird.