KONGO-Kinshasa (ex-Zaire)
République Démocratique du Congo, Dem. Republik Kongo

Letzte Bearbeitung 02.02.2017

“Demokratische Republik” auf der Basis einer Verfassung von 2006, 2011 novelliert (Wahl des Präsidenten mit einfacher Mehrheit).
Seit der Eroberung Kinshasas durch eine Rebellenarmee (ADLF, Alliance de Forces Démocratiques pour la Libération du Congo) unter Führung von Laurent Kabila (1997/98) wird das Land immer wieder von bewaffneten Konflikten und lokalen Kriegen im Osten erschüttert. In der Präsidentenwahl vom November 2011 siegte Joseph Kabila (49%) vor Etienne TSHISEKEDI wa Mulumba 32.3%.
Amtierender Staatschef: Joseph KABILA (folgte seinem Vater 2001 nach dessen Ermordung, zuletzt 2011 wiedergewählt). Kabila weigerte sich nach Wahlen im November 2016 abzutreten; im Dezember 2016 kam es unter Führung der Bischofskonferenz zu einem Abkommen zwischen Opposition und Regierungskoalition; bis zu den Wahlen im Dezember 2017 bleibt Kabila Staatschef; der Posten des Regierungschefs wird von der Opposition besetzt.
frühere Präsidenten: Joseph KASAVUBU (1960-1965), MOBUTU Sese Seko (1965-1997), Laurent KABILA (1997-2001).
Premierminister vor 1965: Patrice LUMUMBA, Cyril ADOULA, Moise TSHOMBE.

Unabhängig seit 30.6.1960; während die 1. Republik eine föderalistische Verfassung hatte, war die 2. zentralistisch aufgebaut. Alle Macht lag beim Präsidenten (Mobutu), der sich der Einheitspartei MPR (Mouvement Populaire de la Révolution) und der Armee wie der Sicherheitsdienste zur Kontrolle der Bevölkerung bediente. Mit Beginn der 1990er Jahre entstanden rund 450 politische Gruppen, die den Diskurs Richtung demokratische Transition ziemlich ergebnislos führten.
Zweikammerparlament: Nationalversammlung (500 Abgeordnete) und Senat (108 Sitze, wird von den Regionalparlamenten beschickt). Nach den Wahlen vom November 2011 dauerte bis Februar 2012 bis die Resultate bekannt gegeben wurden; Wahlbeobachter (Carter Center) verwiesen auf Fälschungen bei der Auszählung. Die Koalition der Parteien des Präsidenten (AMP, Alliance de la Majorité Présidentielle) erhielt 260 der 500 Sitzen im Parlament (davon 62 für Kabilas Parti du peuple pour la reconstruction et la démocratie - PPRD); Führer der stärksten Oppositionsfraktion (ab 2016 Rassemblement) war bis zu seinem Tod am 1.2.2017 Etienne Tshisekedi. Seine UDPS (Union pour la démocratie et le progrès social) erhielt 2011 41 Sitze; weitere: Parti du peuple pour la paix et la démocratie (PPPD) 29, Union pour la nation congolaise (UNC, Vital Kamerhe) 17. Insgesamt hatten für diese Wahlen über 18.800 ihre Kandidatur angemeldet.

2.345.095 km2 (2.344.858 gem. cia fb, zweitgrösster Staat in Afrika); 81,3 Mio. Ew. (2016), davon 57,5% ländliche Bevölkerung; Zuwachsrate 2,42%. Aufgrund der bewaffneten Auseinandersetzungen im Osten des Landes sind etwa 1,7 Mio. Menschen als Flüchtlinge im eigenen Land unterwegs; über 500.000 im Ausland.
Hauptstadt: Kinshasa (11,5 Mio. Ew., 2015); weitere Grossstädte (zw. 250.000 und 1,5 Mio. Ew.): Kananga, Lubumbashi, Mbuji-Mayi, Kisangani, Mbandaka, Matadi, Kikwit, Kolwezi, Bukavu.
Währung: Kongolesischer Franc; 1.000 CDF = 0,73 € / 0,78 CHF

Offizielle Sprache: Französisch; Nationalsprachen: Lingala, Swahili, Kikongo, Ciluba.
Über 270 Landessprachen; die meisten davon sind Bantusprachen, wie die 4 Nationalsprachen. Zu den anderen Sprachen (im Norden) zählen Zande, Mba u.a.. Weiters gibt es Gruppen, die als Arbeiter oder Flüchtlinge aus den angrenzenden Staaten im Osten, Nordosten und Süden eingewandert sind (Tutsi, Hutu u.a.). Die Bedeutung nichtafrikanischer Sprachen (Griechisch, Italienisch, Portugiesisch, Flämisch, etc.) ist nach der Nationalisierung der Wirtschaft Anfang der 1970er Jahre stark zurückgegangen.

Wirtschaft: In der Landwirtschaft steht die Selbstversorgung im Vordergrund (Maniok, Bananen, Mais u.a.) Ausgeführt werden u.a. Kaffee und Palmöl. Dominierend ist bei der Exportproduktion allerdings der Bergbau, vor allem in den südöstlichen Provinzen: Kupfer (etwa die Hälfte der Exporteingänge), Zink, Kobalt, Diamanten, Erdöl. Der grössere Teil der Exporte ging bis in rezente Zeit nach Belgien. 11,4% des Bodens ist landwirtschaftlich nutzbar, knapp 68% sind von Wald bedeckt.
Das Land befindet sich (spätestens seit der Mitte der 1970er Jahre) in einer ständigen Krise, gekennzeichnet durch hohe Inflation, massiv steigende Auslandsverschuldung (14 Milliarden US-$ in 1997, 10,6 Mrd. 2003), Absatzschwierigkeiten und den Preisverfall bei den mineralischen Rohstoffen. 63% der Bevölkerung lebten 2012 unter der Armutsgrenze.
In Verbindung mit den schlechten bzw. schwankenden Bedingungen des Weltmarkts haben Korruption, Diebstahl am Staatsvermögen und schlechte Verwaltung das potentielle unglaublich reiche Land in den Ruin geführt. Mangelnde Infrastruktur, politische Unsicherheit und schlechte Preise liessen auch die Erzeugung von Lebensmitteln stark zurückgehen. Die Produzenten kehrten zurück zu einer Subsistenzwirtschaft; zur Deckung des Bedarfs in Ballungsräumen müssen Lebensmittel eingeführt werden. In Politik und Wirtschaft zeigt sich eine starke Abhängigkeit von den westlichen Industrienationen, die die massgebenden Handelspartner, Kreditgeber und politischen wie wirtschaftlichen "Berater" sind, doch hat vor allem bei den Rohstoffexporten China massiv aufgeholt.
Seit dem Sturz Mobutus haben sich zwar die Berater und Investoren geändert – US-amerikanisches Kapital ersetzte europäisches, Südafrika und vor allem China (53,4% der Exporte) kommen immer stärker ins Geschäft - aber eine wirtschaftliche Erholung steht noch aus. Dies umso mehr, als die Kämpfe im Osten des Landes weiter gingen und sich Kabila nur mit Unterstützung bewaffneter Kräfte aus Nachbarstaaten (vor allem Zimbabwe und Namibia) halten konnte. 2009 vereinbarte die RDC mit dem IWF ein Poverty Reduction and Growth Facility, das zu einem Schuldenerlass von 12 Mrd. US-$ führen sollte – die letzten 240 Mio. wurden wegen der undurchsichtigen Minengeschäfte ab 2012 nicht mehr realisiert. Vor allem seltene Metalle, wie Rutil (Titanium), Coltan u.a. werden von Bergbaugesellschaften illegal abgebaut und exportiert.
Eckdaten 2016: BIP 39,82 Mrd. US-$; Wirtschaftswachstum 3,9%, Inflation 1,6%, Exporte im Wert von 9,3 Mrd. US-$ stehen Importen im Umfang von 10,2 Mrd. US-$ gegenüber; Auslandsverschuldung 5,33 Mrd. US-$.