L I B E R I A
Republic of Liberia

Letzte Bearbeitung 02.02.2017

Präsidialrepublik auf der Basis einer Verfassung von 1986, 2011 novelliert; durch die Constitution Review Conference 2015 vorgeschlagene Abänderungen sind noch nicht rechtskräftig.
Liberia, seit seinem Entstehen eine Kolonie bzw. Neokolonie der USA, wurde von einer ameriko-liberianischen Minderheit regiert. Ein Militärputsch beendete 1980 diese „1. Republik“. Der Versuch von Charles Taylor, das “demokratisierte” Militärregime Does 1989 zu stürzen, 
löste einen siebenjährigen Bürgerkrieg aus. Taylor selbst musste nach Interventionen von aussen 2003 zurücktreten; bis zu den für 2005 geplanten Wahlen regiert eine Interimsregierung mit Unterstützung der UNO und der ECOWAS.
Präsidentin (zugleich Regierungschefin): mit Ellen JOHNSON SIRLEAF trat im Jänner 2006 die erste Frau das Amt eines afrikanischen Staatsoberhaupts an; 2011 wurde sie in zweiter Runde wiedergewählt.
frühere (seit 2. Weltkrieg): William TUBMAN (1943-1971, 17. Präsident), William Richard TOLBERT (1971-1980), (Stabswachtmeister) Samuel DOE (1980-1990). In der Zeit des Bürgerkrieges gab es mehrere von der ECOWAS gestützte Präsidenten, wie Amos SAWYER, 1990-1995, Wilton S. SANKAWULO und Ruth PERRY (1996-1997), Charles TAYLOR (1997-2003),  Charles Gyude BRYANT (2003-2005, ad interim)

Gründung des Commonwealth of Liberia 1838; unabhängig am 26.7.1847.
Volksvertretung mit 2 Kammern: Repräsentantenhaus und Senat. Bei den Wahlen vom Oktober 2011 wurden die Sitze im Repräsentantenhaus (73) wie folgt verteilt: Unity Party (UP, E. Johnson Sirleaf) 24, Congress for Democratic Change (CDC, Winston Tubman & George Weah) 11, Liberty Party (LP, Charles W. Brumskine) 7, National Union for Democratic Progress (NUDP) 6, National Democratic Coalition (NDC) 5, National Patriotic Party (NPP) 3, Alliance for Peace and Democracy (T. Tipothe) 3; 4 weitere Parteien erhielten 2 bzw. je ein Mandat; 9 Unabhängige. Für den Senat (30 Sitze) werden die Mitglieder jeweils für 9 Jahre gewählt, letzte Teilwahlen im Dezember 2014; UP hat eine relative Mehrheit vor CDC und NPP. Unter den SenatorInnen: Jewel H. Taylor, Frau des früheren Staatschefs Charles Taylor, George Weah, Prince Y. Johnson.

111.369km2; ca. 4,30 Mio. Ew. (2016), Zuwachsrate 2,44%. Hauptstadt: Monrovia (1,26 Mio. Ew. 2016); als Folge des Krieges sind zahlreiche Menschen in den Raum um Monrovia geflüchtet; knapp 50% städtische Bevölkerung.
Währung: US $; der liberianische $, ursprünglich dem US-$ äquivalent, wurde Anfang 2004 auf dem parallelen Markt mit 45:1 gehandelt; derzeit entsprechen 100 LRD = 0,97 € / 1,04 CHF / 1,05 US-$.

Offizielle Sprache: Englisch. Einheimische Sprachen u.a.: Kpelle (20%), Bassa (13,4%), Grebo (10%), Gio (8%), Mano (7,9%), Kru (6%), Loma, Krahn, Mande. Die (englischsprachigen) Americo-Liberianer machen etwa 2-3% aus. Die tribalistische Identifikation wurde seit 1980, vor allem während des Bürgerkriegs, zu einem bedrohlichen Argument gewaltsamer Auseinandersetzung.

Wirtschaft: Etwa 3/4 der Bevölkerung leben im Bereich einer Subsistenzwirtschaft (Maniok, Reis, Bananen), doch auch sie sind infolge Arbeitsmigration und Ausdehnung der landwirtschaftlichen Exportproduktion teilweise in den modernen Sektor mit einbezogen. 28,1% des Bodens sind landwirtschaftlich nutzbar, 44,6% Wald.
Exporte: Eisenerz, Kautschuk, Holz, Diamanten, Kakao, Kaffee; während der Bürgerkriege belegte die UNO den Export von Diamanten, Holz und Kautschuk mit Sanktionen, weil aus deren Verkauf vor allem Waffen und Unterhalt von Milizen und Rebellentruppen finanziert wurden.
Obwohl Liberia seit über 100 Jahren politisch selbständig ist, hat es doch nie die Kontrolle über seine Wirtschaft erlangt. Der Exportsektor wird durch mehrheitlich ausländische Firmen mit ausländischem Führungspersonal bewirtschaftet, Landeswährung ist der US-Dollar und das Finanzwesen wurde durch die Militärregierungen und den Bürgerkrieg völlig zerrüttet.
Seit 1997 hat es wieder bescheidene Ansätze zum Wiederaufbau gegeben, die vor allem durch Entwicklungshilfe finanziert wurden, doch auch unter der Regierung Taylor setzte sich die Misswirtschaft fort.
Noch 2003 nannten Beobachter Liberia "the world's worst place to live in 2003" und im Economist's Intelligence Unit survey, (http://www.theperspective.org/liberia_wwc2002.html, 24.5.2004) hiess es: “even by African standards .... Liberia is set to get worse".  2003 waren 85% der erwerbstätigen (städtische Bevölkerung) ohne Job und 80% lebten unter der Armutsgrenze. Inzwischen haben sich die politischen Verhältnisse konsolidiert; wirtschaftlich gilt es noch viel zu verbessern. Zu den letzten Wahlen trat Ellen Johnson Sirleaf mit folgendem Slogan an: "So much done. So much to do".
BIP (2015): 2,16 Mrd. US-$; Kennzahlen für 2016: Wirtschaftswachstum 2%, Inflation 6,3%, Importe 1,25 Mrd. US-$, Exporte 363,9 Mio. US-$. Das Land bedarf umfangreicher Entwicklungshilfe und ist im Ausland mit 1,11 Mrd. US-$ verschuldet.