L I B Y E N
früher: Al Jumahiriyah al Arabiyah al Libiyah ash Shabiyah al Ishtirakiyah al Uzma / Grosse Arabisch-Libysche Sozialistische Volks-Jamahiriya

letzte Bearbeitung 15.11.2017

Seit dem Ende der „Volksrepublik“ – “Das Volk regiert sich selbst ... durch Hauptkongresse, Volkskommissionen und Berufsorganisationen” (Kaddafi) – gibt es eine nur partiell anerkannte Übergangsregierung; noch ist es der gesetzgebenden Versammlung nicht gelungen eine neue Verfassung zu formulieren.
Auf Basis von Verhandlungen zwischen dem „Nationalkongress“ und weiteren Fraktionen kam es 2015 zur Schaffung einer „Regierung des nationalen Übereinkommens“ – in der Diktion unserer Medien „die Regierung“ - und eines „Präsidialrates“ (
‎‎المجلس الرئاسي)  mit 9 Mitgliedern, dessen Vorsitzender  die Funktion des Staatschefs ausüben sollte – dzt. Fayiz al-SARRAJ. Aufgrund der de facto Teilung des Landes in zwei bzw. drei antagonistische Regionen, besteht keine allseits anerkannte nationale Institution; daran ändert auch die internationale Anerkennung dieser Institutionen nichts.
Frühere Staatschefs: König Mohammed IDRIS I. (1951-1969), („Revolutionsführer“) Oberst Muammar KADDAFI (1969-2011). Vorsitzender des Übergangsrates Mustafa Muhammad ABD AL-DSCHALIL (2011-2012), Mohamed Yusuf AL MAGARIAF (2012-2013), Giuma ATTAIGA (2013), Nuri ABU SAHMAYN (2013-2014), Abu Bakr BAIRA (2014)

Wieder unabhängig seit 24.12.1951. Nach dem Sturz Kaddafis, der wesentlich durch das militärische Eingreifen der NATO bewirkt wurde, kam es 2012 zur Wahl eines „Nationalen Hauptkongresses“. Nach der Wahl von Juni 2014 bestanden zwei Regierungen: die international anerkannte Regierung in Tobruk und die die Gegenregierung in Tripolis. Die Regierung in Tobruk stützt sich auf das 2014 gewählte Parlament (Majilis al-Nuwaab) mit 200 Abgeordneten (international anerkannt), die Gegenregierung beharrt auf der Rechtmäßigkeit des alten Hauptkongresses. Eine dritte massgebliche Kraft waren Jihadisten (in Derna und Sirte).

1.754.540 km2 gross; nur 8,8% des Bodens sind landwirtschaftlich nutzbar; über 90% des Landes ist Wüste oder Halbwüste; 6,53 Mio. Einwohner (2017); über 90% der Bevölkerung leben entlang der Mittelmeerküste, vor allem in städtischen Räumen; Zuwachsrate 1,58% (2017); gem. UN-Statistik sind über 12% der Bevölkerung Zuwanderer (dzt. vor allem Flüchtlinge / Migrant_innen aus Regionen südlich der Sahara und Nahost); aufgrund der bewaffneten Auseinandersetzungen gibt es  auch über 200.000 IDP (Internally Displaced People)
Hauptstadt: Tripolis (1,12 Mio. Ew. 2015). Weitere Grosstädte: Benghazi (650.000), Misrata, Sebha.
Währung: Lib. Dinar, 1 LYD = 1.000 Dirham = 0,61 € / 0,71 CHF

Offizielle Sprache: Arabisch. Die Bevölkerung besteht aus Arabern, Berbern, Nachkommen türkischer Besatzer und schwarzafrikanischen Gruppen.

Wirtschaft: Die ursprüngliche, agrarische Ausrichtung der Wirtschaft wurde durch die Erdölproduktion ab 1960 völlig verändert. Der Rückgang der Agrarproduktion brachte ein wachsendes Defizit an Nahrungsmitteln, deren Import anfangs durch Entwicklungsgelder und später durch die Einkünfte aus dem Erdöl finanziert wurde und wird.
Der Förderung der Landwirtschaft (“grüne Revolution”) wurde unter Kaddafi grosse Bedeutung beigemessen; nur 1,03% des Bodens sind jedoch für Pflanzenbau nutzbar. Bei der Erschliessung und Nutzung neuer, künstlich bewässerter Anbauflächen bzw. Weiden wurden vor allem Immigranten beschäftigt, doch ist deren Zahl aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten sehr stark zurückgegangen. Die Investitionen in Industrieanlagen (Stahl, Chemie, Raffinerien) brachten keine deutliche Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur. Rohöl und Derivate stellten in ruhigeren Jahren 95% der Exporte, 80% des BIP und 99% des Einkommens der Regierung.
Mit der staatlichen Organisation brach seit 2011 auch die Wirtschaft zusammen; die Rohölproduktion erreicht kaum ein Drittel der früheren Leistung. 2016 betrug das BIP 20 Mrd. US-$, die Wirtschaft schrumpfte um 3% (was angesichts eines Rückgangs um 53% in 2014 bereits eine starke Verbesserung darstellt); es gab eine Inflation von 27,1% (nach 12,1% in 2015). Exporte im Wert von knapp 12 Mrd. US-$ und Importe im Umfang von 11 Mrd. US-$ signalisieren eine ausgeglichene Handelsbilanz, bei Auslandsschulden von 3,11 Mrd. US-$.
Angesichts der herrschenden Anarchie und des Rückzugs internationaler Firmen bleibt allerdings unklar, wie und ob die nationale Wirtschaft funktioniert. Für EU und USA stehen auf jeden Fall andere Probleme im Vordergrund: Transmigration aus Afrika und Nahost, bzw. „Kampf gegen den Terror“.