M A D A G A S K A R
Repoblikan'i Madagasikara / République de Madagascar

letzte Bearbeitung: 06.02.2017

Präsidialrepublik auf der Basis einer Verfassung von 2010 ("Vierte Republik") - Präsidialdemokratie (nach franz. Vorbild).
Präsident: Hery Martial Rajaonarimampianina (seit 2014 – für den ersten Wahlgang gab es 33 BewerberInnen)
Frühere Staatschefs: Philibert Tsiranana (1960-1972), General Gabriel Ramanantsoa (1972-1975), Oberst Richard Ratsimandrava (1975), General Adriamahazo (1975), Didier Ratsiraka (1975-1993), Albert Zafy (1993-1996), Premier Norbert Ratsirahonana (1996, Staatschef per interim). Didier Ratsiraka (1975-1993, 1996-2002), Marc Ravalomanana (2002-2009), Andry Rajoelina (ad interim, 2009-2014)

Unabhängig seit 26.6.1960. Nach heftigen Auseinandersetzungen erzwang die Opposition gegen den gewaltsamen Widerstand der von Ratsiraka geführten (Militär)-Regierung 1991 eine demokratische Wende. Die nächste Wahl 1996 brachte Ratsiraka mit 50,7% zurück ins Amt, der seine neuerliche Wahlniederlage 2002 erst nach längerer Auseinandersetzung und unter Druck von aussen zu akzeptieren bereit war. Auch die Regierungszeit seines Nachfolgers endete unter heftigen Protesten der Zivilgesellschaft mit einer durch das Militär überwachten Übergangsregierung (Haute Autorité de transition). Erst Ende 2013 kam es unter Vermittlung von SADC zu neuen Wahlen.

Zweikammerparlament mit Nationalversammlung (151 Abgeordnete) und Senat (63 Sitze, 42 gewählte Vertreter der Regionen und 21 vom Präsidenten ernannt).
Bei den Parlamentswahlen im Dezember 2013 sicherte sich MAPAR (miaraka amin’ny prezidà Andry Rajoelina/Avec Andry Rajoelina)  
49 Mandate, die Mouvance Ravalomanana bekam 20 Sitze, VPM-MMM (Vondrona Politika miaradia Malagasy Miara-Miainga) 13, Hiaraka isika (General Camille Albert Vital) und Leader Fanilo je 5, vier weitere Parteien je zwei Sitze, 22 weitere Parteien je 1 Sitz,  25 Unabhängige; 4 Sitze nicht vergeben. Der Senat wurde Anfang 2016 bestellt; eine Mehrheit von 34 Senator_innen stellt Hery Vaovao ho an'i Madagasikara (HVM), die Partei des Präsidenten.

587.041 km2 gross; 24,4 Millionen Ew. (2016); 65% ländliche Bevölkerung; Zuwachsrate 2,54%.
Hauptstadt: Antananarivo (2,6 Mio. 2015). Andere Grosstädte: Antsirabe, Toamasina, Mahajanga, Fianarantsoa, Antseranana (ex-Diego Suarez), Toliary.
Währung: Madagascar Ariary (MGA, löste 2005 den Malagasy Franc ab). 1.000 MGA= 0,29 € / 0,31 CHF

Offizielle Sprachen: Malagasy und Französisch. Als Standardsprache des Madegassischen dient die Oberschichtvariante des Merinaadels, während die Sprache der Hova (freie Bauern der Merina) als Umgangssprache verbreitet ist. Unter den 18 Bevölkerungsgruppen sind mit 26% die Merina die grösste, dazu: Betsimisaraka (15%, Ostküste), Betsileo (12%, südl. Hochland), Tsimihety (7%, NW), Sakalaven (6%, N- und W-Küste), Antandroy, Antaisaka (S) u.a. Der Anteil der Ausländer, ca. 1%, nimmt seit Anfang 1970 ständig ab.

Wirtschaft: Schwerpunkt ist die Landwirtschaft; 80% der Bevölkerung sind dort beschäftigt. Nur 6% des Landes sind für Pflanzenbau nutzbar; 41% Weiden; 40% Wald. Reis als Grundnahrungsmittel dominiert die Agrarproduktion. Während bis zu Beginn der 1970er Jahre kleine Mengen Reis exportiert werden konnten, muss Madagaskar seit den 1980er Jahren zwischen 150.000 und 200.000 t importieren (rund 20% der Importe). Exportprodukte sind Kaffee, Zucker, Vanille, Nelken, Sisal. Mineralische Rohstoffe (Eisen, Kohle, Chrom, Graphit, Uran, aber auch Erdöl) sind vorhanden, werden aber nur in geringem Umfang genützt.
2015 betrug das BIP 9,74 Mrd. US-$; die Exportwerte (2,26 Mrd. US-$) lagen 2016 deutlich 
unter den Importkosten (2,71 Mrd. US-$). In den 1990er Jahren überstieg der Bevölkerungszuwachs das Wirtschaftswachstum. Nach der politischen Krise von 2002 erreichte M. 2005 wieder ein Wirtschaftswachstum von 6,5%, fiel jedoch 2013 wieder auf 2,6% zurück (etwa gleich dem Bevölkerungswachstum) und kam 2016 auf 4,1%; 9,2% Inflation (2016).
Schwankende Rohstoffpreise und Naturkatastrophen, und noch mehr die mangelhafte Realisierung der sozialistischen Wirtschaftspolitik haben zur Verarmung grosser Teile der Bevölkerung (75% unter der Armutsgrenze in 2010) und zu hoher Verschuldung im Ausland geführt: Auslandsschulden (2016) 4 Mrd. US-$. Seit 1982 dirigiert der IMF (Abwertung, Erhöhung der Lebensmittelpreise, Verringerung des Staatsapparats) die Budgetpolitik. Umschuldung oder Schuldenerlass sind jeweils an wirtschaftliche „Liberalisierungsmassnahmen“ der Regierung gebunden.
An ihrem Höhepunkt 2004 fanden in Export Processing Zones rd. 100.000 Menschen Beschäftigung; inzwischen ist die Textilproduktion in Madagaskar wieder deutlich zurückgegangen. Als Folge des Ausschlusses aus dem AGOA (U.S. African Growth Opportunity Acts) reduzierten sich die Textilexporte von 350 Mio. US-$ (2009) auf 15 Mio. (2010).