M A L I
République du Mali, kolonial: Französischer Sudan / Soudan français

letzte Bearbeitung 16.11.2017

Republik ("3. Republik") auf der Basis einer Verfassung von 1992, 1999 novelliert. Eine revidierte Fassung wurde 2017 vom Parlament mehrheitlich angenommen; aufgrund starker Opposition in der Zivilgesellschaft wurde die für Juli geplante Volksabstimmung aber auf unbestimmte Zeit verschoben.
Präsident: Ibrahim Boubacar KEITA (2013-)
Frühere Staatschefs: Modibo KEITA (1960-1968), Moussa TRAORÉ (1968-1991), Alpha Oumar KONARÉ (1992-2002), Amadou Toumany TOURÉ (1991-1992, 2002-2012), Dioncounda TRAORE (ad interim 2012-2013, nach Militärputsch)

Unabhängig seit 20.6.1960 (Mali-Föderation) bzw. 22.9.1960 (Proklamation des Staates Mali in seinen heutigen Grenzen). Bis zur Machtübernahme der Militärs 1968 hatte die US-RDA (Union Soudanaise-Rassemblement Démocratique Africain) die Funktion einer Einheitspartei in einem sozialistischen Staat. Vertreter von über 40 Parteien und zahlreichen anderen Organisationen schufen in einer ”Nationalkonferenz” 1992 eine demokratische Verfassung, doch führten die Umstände, unter denen 1997 Wahlen abgehalten wurden, zu einer neuerlichen Ablehnung des politischen Systems durch die Opposition.
Bei den Parlamentswahlen von November-Dezember 2013 gewann die Partei des Präsidenten (Rassemblement pour le Mali, RPM) 66 der 147 Mandate; die Regierung wird von einer Koalition aus mehreren Parteien getragen, darunter RPM und  
ADEMA (Alliance pour la Démocratie au Mali, Dioncounda Traore, 16 Mandate), die über zusammen 115 Sitze verfügt. Soumaïla Cissé, Gegenkandidat von Boubacar Keita in den Präsidentenwahlen, bekam mit seiner URD (Union pour la république et la démocratie) 17 Sitze. Weitere 16 Parteien und eine Gruppe von 4 Parteifreien besetzen die übrigen Mandate.

1,240.192 km2 gross; 17,88 Mio. Einwohner (2017), von denen mehr als 3/4 im fruchtbaren Süden (1/3 der Gesamtfläche) leben; Zuwachsrate 3%. Überwiegend ländliche Bevölkerung (59%), doch hat die immer wiederkehrende Dürre zu einer beschleunigten Verstädterung beigetragen. Nach Jeune Afrique leben zusätzlich 3,5 Millionen Malier im Ausland; ihnen sind 13 Mandate der Nationalversammlung reserviert.
Hauptstadt: Bamako (2,5 Mio. Ew. 2015). Andere grössere Städte: Segou, Mopti, Sikasso, Kayes, Toumbouctou, San.
Währung: F CFA, 100 FCFA = 1 FF = 0,15 Euro / 0,16 CHF

Offizielle Sprache: Französisch (von nur ca. 10% der Bev. gesprochen). 13 Nationalsprachen: Bambara, Bobo, Bozo, Dogon, Ful, Khassonke, Malinke, Maurisch (Hassaniya), Senufo, Soninke, Songhay, Syenara, Tamashek. Die Gruppe der Mandesprechenden (Bambara, Malinke, Dyula etc.) ist mit knapp 64% die stärkste in Mali; es folgen Ful (13,7%), Senufo- (10%) und Songhaysprecher (7%).

Wirtschaft: Während der Kolonialzeit versorgte das Land den angrenzenden Senegal mit Getreide (Hirse, Sorghum) und Wanderarbeitern. Dazu wurden Baumwolle und Erdnuss als Exportprodukte aufgebaut. Heute macht Baumwolle gut die Hälfte der Exporte aus. 34% des Bodens sind landwirtschaftlich nutzbar, davon 5/6 als Weideland. Die Trockenheit Anfang der 1970er und wieder in den 80er Jahren (rd. 65% des Staatsgebiets ist Wüste oder Halbwüste) hatte verheerende Folgen für die agrarische Produktion und die Viehhaltung.
Nach einer durch Modibo Keita eingeleiteten und von den Militärs fortgeführten Politik der "sozialistischen Option", die den Handel und die Industrie staatlichen Firmen vorbehielt und in der Landwirtschaft eine Kollektivierung voran trieb, setzte die Regierung Moussa Traoré nach 1979/80 verstärkt auf Privatisierung und Fremdinvestition. Die Verschuldung und Abhängigkeit stieg jedoch in den 1980er Jahren drastisch.
Nach dem Sturz Traorés beruhigte sich die wirtschaftliche wie politische Situation Mitte der 1990er Jahre einigermassen. Eine günstige Entwicklung der Landwirtschaft, die Eröffnung einer neuen Goldmine (nach Südafrika und Ghana ist Mali Afrikas bedeutendster Goldproduzent - 2003 waren es 54t) und eine - zumindest aus offizieller Sicht - erfolgreiche Umsetzung des Strukturanpassungsabkommens von 1992 kennzeichneten die Situation bis zur Jahrtausendwende. Nach 2000 verschlechterte sich die Lage erneut: 2004 gab es nur ein Wirtschaftswachstum von 0,5%. Heuschrecken vernichteten ein Drittel der Getreideernte und machten rd. 1 Mio. Menschen von Hungerhilfe abhängig. Die inneren Auseinandersetzungen (Militärputsches, Krieg im Norden) trugen weiter zu einem Niedergang bei – erst ab 2013 ging es wieder aufwärts. Eisenerzvorkommen (1,36 Mrd. t) und Bauxitlager versprechen zukünftig eine breitere wirtschaftliche Basis.
Schlüsseldaten 2016: BIP 14,4 Mrd. US-$; Wirtschaftswachstum 5,8%, Inflation –1.8%, Exporte: 2,8 Mrd. US-$, Importe 3,44 Mrd. US-$; Auslandsschulden knapp 4 Mrd. US-$.  
47% der Bevölkerung lebten 2015 unterhalb der Armutsgrenze (Institut national du statistique).