M A U R E T A N I E N
Mawritaniyya / Al-Jumhuriyya al-Islamiyya al-Mawritaniyya / République Islamique de Mauritanie

letzte Bearbeitung 16.11.2017

Präsidialrepublik auf der Grundlage einer Verfassung von 1991, novelliert zuletzt 2017; die kontroversiell aufgenommene Novellierung sieht u.a. die Abschaffung des Senats vor.
Präsident: (General) Mohamed OULD ABDEL AZIZ (nach einem Putsch durch Wahl 2009, 2014 wiedergewählt).
Frühere Staatschefs: Mokhtar OULD DADDAH (1960-1978), Oberst Mustapha OULD SALECK (1978-1979), Obstlt. Ahmed OULD BOUCEIF (1979), Obstlt. Mohamed Mahmout LOULY (1979-1980), Obstlt.
Mohamed OULD HAIDALLA (1980-1984), Oberst) Maawiya OULD (Sid Ahmed) TAYA (1984 – 2005), Obst. Ely OULD MOHAMED VALL (ad interim 2005-2007), Sidi OULD CHEIKH ABDALLAHI (2007-2009), Ba Mamadou M'BARE (2009, ad interim)

Unabhängig seit dem 28.11.1960. Nationalversammlung (Al Jamiya Al Wataniya, 147 Sitze, 20 reserviert für Frauen); die zweite Kammer (Senat / Majlis al-Shuyukh) wurde 2017 gem. neuer Verfassung aufgelöst.
Bei den Wahlen im November 2013 gingen 76 Sitze an die Partei des Präsidenten (Parti de l'Union pour la République, UPR), 16 an das Rassemblement national pour la réforme et le développement (Tawassoul / „Mittlerschaft“), 10 an den Parti El Wiam (Parti de l'Entente Démocratique et Sociale), 7 an die Alliance populaire progressiste (APP), sowie je 6 an den Parti El Karam und die Union pour la démocratie et le progrès (UDP). Weitere 12 Parteien erhielten zwischen 1 und 4 Sitze. 110 Abgeordnete unterstützen die Regierung, 37 – darunter die 16 Vertreter der islamistische Bewegung TAWASSOUL unter Führung von Mohamed Jamil Ould Mansour – bilden die Opposition.

1,030.700 km2 gross; 3,75 Mio. Einwohner (2017), davon ein zunehmender Anteil im Umfeld der Städte lebend (61% 2017), Zuwachsrate: 2,17% / Nouakchott 3,75%. Der Anteil der nomadisierenden Bevölkerung ist von 83% (1965) auf 4,8% (2000) zurückgegangen.
Hauptstadt: Nouakchott (968.000 Ew. 2015); weitere wichtige Städte (Hafen bzw. Minen): Nouadhibou, Kaedi, Zouerat, Rosso, Atar.
Währung: Uguiya (Ouguiya), 100 MRO = 0,23 € / 0,27 CHF

Offizielle Sprache: Arabisch. Gem. Verfassung fungieren Arabisch, Ful (20%), Wolof (12%) und Soninke als „Nationalsprachen“. Umgangssprache ist eine Varietät des Arabischen (Hassaniya). Französisch verlor durch die Verfassung von 1991 seine Rolle als Amtssprache, was Grund für Konflikte war. Der Gegensatz zwischen dem arabischen (bzw. arabisierten) und dem „schwarzen“ Teil der Bevölkerung (rund 1/3) führt immer wieder zu Auseinandersetzungen, nicht zuletzt in Zusammenhang mit der immer noch bestehenden Sklaverei, deren gesetzliche Abschaffung 1981 noch immer nicht Wirkung gezeigt hat.

Wirtschaft: Vor der Unabhängigkeit weitgehend auf Subsistenz in den Bereichen Viehzucht, Landwirtschaft und Fischfang ausgerichtet. Die Exporte umfassten damals Gummi Arabicum, Vieh und Trockenfisch. 38,1% des Bodens sind Weideflächen, nur 0,4% sind für Pflanzenbaugeeignet. Überweidung ist verantwortlich für fortschreitende Erosion. Trotz der fortschreitenden Verstädterung ist die Hälfte der Bevölkerung von landwirtschaftlicher Produktion abhängig.
Nach 1960 gewann die Minenindustrie immer stärker an Bedeutung;  
Eisen, Kupfer und Gold machten 2016 56% der Exporte aus. mit 28% kamen Fisch und Schalentiere an zweiter Stelle. Die Entdeckung von Erdölvorkommen, offshore wie im Landesinneren, veranlasste den Präsidenten 2005 die Gehälter deutlich zu erhöhen; dieser Vorgriff auf zukünftige Erträge hatte jedoch rein politischen Hintergrund. 2006 begann die offshore-Förderung von Erdöl durch die australische Firma Woodside, die dann an die malaysische Firma Petrobras verkaufte. Die Erträge blieben bescheiden.
In Verbindung mit der Nutzung der Bodenschätze kam es zu einem Ausbau der Infrastruktur (Bahn, Häfen, Strassen) und zur Errichtung weiterer Industrien, die jedoch häufig nicht den Dimensionen des Landes entsprachen. Während der Fischfang und die Verarbeitung stetige Förderung bekamen, blieb der Agrarsektor weitgehend unentwickelt. Die Ausweitung bewässerter Anbauflächen brachte die Entstehung einer kleinen Agrarbourgeoisie, meist im Hauptberuf Bürokraten. Mauretanien ist stark von Nahrungsmittelimporten abhängig (wobei Dürre, Flutkatastrophen und Heuschrecken das Defizit noch sehr viel deutlicher machen).
Kenndaten für 2016: BIP: 4,73 Mrd. US-$; Wirtschaftswachstum 1,7%, Inflation 1,5%, Exportwert: 1,4 Mrd. US-$, Importe 1,9 Mrd. US-$, Auslandsschulden 3,89 Mrd. US-$.
2002 wurde Mauretanien im Rahmen der HIPC-Initiative eine Entschuldung im Umfang von 1,1 Mrd. US-$, das waren etwa 50% seiner Auslandsschulden, zuerkannt.