M A U R I T I U S
Republic of Mauritius

letzte Bearbeitung 16.11.2017

Parlamentarische Demokratie auf der Basis einer Verfassung aus 1968, zuletzt 2015 novelliert. 1992 löste ein Präsident die britische Königin als Staatsoberhaupt ab; wird durch das Parlament gewählt.
Präsident: Ameenah GURIB-FAKIM (2015-)
frühere Präsidenten: Sir Veerasamy RINGADOO (1992), Cassam Uteem (1992-2002), Anerood JUGNAUTH
(2003 -2012), Rajkeswur Kailash PURRYAG (2012-2015)
Regierungschef: Pravind Kumar JUGNAUTH (2017-);
frühere Regierungschefs: Dr Seewoosagur RAMGOOLAM (1968-1982), Anerood JUGNAUTH (1982-1995, 2000-2003, 2014-2017), Navinchandra RAMGOOLAM (1995-2000, 2005-2014), Paul BÉRENGER (2003-2005)

Unabhängig seit 12.3.1968; von den 70 Parlamentssitzen werden 62 in allgemeinen Wahlen bestimmt; bis zu 8 werden durch die Wahlkommission mit Vertretern ethischer Minoritäten besetzt; 2014 wurde 7 Vertreter nominiert.
Bei den Parlamentswahlen im Dezember 2014 kam es zu einem Erdrutschsieg der Alliance Lepep des 84-jährigen Anerood Jugnauth ,die 47 Sitze in den Wahlen erreichte. Zu Lepep gehören: MSM (Mouvement Socialiste Mauricien / Militant Socialist Movement), PMSD (Parti mauricien social-démocrate / Mauritian Social Democrat Party des Xavier Luc Duval) & ML (Muvman Liberater, geführt von Ivan Collendavelloo). Die Alliance PTR-MMM (Parti Travailliste Mauricien / Mauritius Labour Party & Mouvement Militant Mauricien / Mauritian Militant Movement) erhielt 13 Mandate. Die Organisation du Peuple Rodriguais (OPR) gewann 2 Abgeordnetensitze für Rodrigues. Mit eingeschlossen die nominierten Abgeordneten ergibt sich eine Sitzverteilung von 51:16:2.
Mit Ameenah Gurib-Fakim (Präsidentin) und Santi Bai Hanoomanjee (Parlamentspräsidentin) sind die beiden höchsten politischer Funktionen durch Frauen besetzt.

2.040 km2 gross, bestehend aus Mauritius und den drei kleinen Inseln Rodrigues (104 km2), Agalega und St. Brandon. 1,26 Mio. Einwohner (2016), davon 42.260 auf Rodrigues. Zuwachsrate 0,1 %; knapp 40% städtische Bevölkerung.
Hauptstadt: Port Louis (135.000 Ew., 2015). Andere Städte: Rose-Hill, Beau Bassin, Curepipe, Quatre Bornes.
Währung: Mauritische Rupie. 100 MUR = 2,40 € / 2,80 CHF


Offizielle Sprachen: Englisch & Französisch; die Verfassung stellt dies nur in Hinblick auf die Verwendung im Parlament fest: „The official language of the Assembly shall be English but any member may address the chair in French“ (§49); weniger als 1% der Bevölkerung sprechen E. im Familienkontext, etwa 4% Französisch, doch haben etwa 73% aufgrund der Schulbildung funktionelle Kompetenz im Englischen. 80% der Medien verwenden Französisch.
Andere Sprachen: Creole wird als Verkehrssprache von über 80% gesprochen, Chinesisch, Indische Sprachen (Bhojpuri). Die Bevölkerungsstruktur ist aufgrund der verschiedenen eingewanderten Gruppen sehr komplex: Die Mehrheit sind Indo-Mauritier hinduistischer Orientierung (knapp 50%); etwa 27% gelten als Kreolen; Indische Einwanderer muslimischen Glaubens 17%. Chinesen machen etwa 3% und die “weissen” Franko-Mauritier 2% der Bevölkerung aus.

Wirtschaft: Bis in die 1980er Jahre dominierte die Zuckerindustrie, die vollständig durch eine franko-mauritische Oligarchie kontrolliert wird. Nach einer Zeit der hohen Profite ohne grosse Investitionen schafften Preisverfall, Verwüstungen durch Zyklone und steigende Arbeitskosten Probleme. Nach mehr als 90% in früheren Jahren macht der Erlös aus dem Zuckerverkauf heute nur noch 15% der Deviseneingänge von Mauritius aus. Inzwischen versucht M. mit Unterstützung der EU seinen Zucker vor Ort zu verarbeiten – u.a. zu Ethanol, das zu einer Einsparung bei den Erdölimporten verhelfen soll. 43,8% des Bodens sind landwirtschaftlich nutzbar, davon der grösste Teil für Pflanzenbau.
Die Monokultur Zuckerrohr wurde durch Investitionen in andere Exportkulturen (Tee, Tabak, Früchte, Schnittblumen) und durch die Einkünfte aus dem Tourismus, die Fischerei und die Industrieproduktion (43% der Exporte sind Textilprodukte, ihr Anteil reduziert sich zunehmend) in ihrer Bedeutung geringer. Nahrungsmittel müssen dabei zu einem grossen Teil eingeführt werden.
Durch die Errichtung von “Export Prozessing Zones”, die Investoren besonders günstige Bedingungen bieten (keine oder reduzierte Steuern und Abgaben, niedriger Strompreis etc.), kam es in den letzten 15 Jahren zum Aufbau einer Billigproduktion von zunehmend komplexen Konsumgütern für den EU-Markt. Damit in Verbindung stand eine niedrige Arbeitslosenrate (1995: unter 1%), die jedoch 2016 auf 7,2% gestiegen ist; nur 9,4% der Bevölkerung lebten 2012 unterhalb der Armutsgrenze (das CIA factbook gibt vergleichsweise für Österreich einen Wert von 4% für 2014). Kennzahlen für 2016: BIP 12,15 Mrd. US-$,Wirtschaftswachstum 3,9%, Inflation 1% und die Auslandverschuldung 14,34 Mrd. US-$.
Als weitere wichtige Sektoren gelten der Tourismus (2014 gab es nach offiziellen Angaben über 1 Mio. Feriengäste, die meisten aus Frankreich, Réunion, GB, Südafrika, Deutschland und Indien) und der Transport (Knotenpunkt des Flugverkehrs). Die Einkünfte aus dem Tourismus decken das Defizit der Handelsbilanz (2016: Importe 4,65 Mrd. US-$, Exporte 2,36 Mrd. US-$).