S O M A L I A
Jamhuuriyadda Dimograadiga Soomaaliya / Democratic Republic of Somalia
Jamhuuriyadda Federaalkaa Soomaaliya / Federal Republic of Somalia

letzte Bearbeitung 16.02.2017

Seit Ende der 1980er Jahre befindet sich das Land in Anarchie und zerfiel in die kolonial bestimmten Teilstaaten bzw. Herrschaftsbereiche einzelner Kriegsherrn; eigene Souveränität beanspruchen im Norden „Somaliland“ und von Zeit zu Zeit auch andere Regionen wie „Puntland“ im Nordosten (http://www.puntlandpost.com/, http://allpuntland.com/).
Provisorische Verfassung von 2012.

(Interims-)Präsident: Mohamed Abdullahi MOHAMED (2017-)
Seit dem Sturz von M. Siyad Barre 1991 beanspruchen wechselnde politische / militärische Führer das Amt des Staatschefs. Abdullahi Yusuf, Machhaber der Puntland Region, wurde vom Föderativen Übergangsparlament 2004 zum Staatschef gewählt und hat seinen (provisorischen) Sitz in Jowhar (90 km nördlich von Mogadishu).
Frühere Präsidenten: Aden Abdulla Osman BAAR (1960-1967), Abdirashid Ali SHERMAKE (1967-1969),
Sheikh Mukhtar Mohamed HUSSEIN (1969, ad interim), (General) Mohamed SIYAD BARRE (1969-1991); 1991-2000: Ali Mahdi MOHAMMED bzw. Hussein AYDID (als Sohn und Nachfolger des selbsternannten Präsidenten Mohamed Farah Aydid), Übergangspräsident (Sitz in Djibouti) Abdiqasim Salad HASSAN (2000-2004), Abdullahi Yusuf AHMED (2004-2008), Adan Mohamed Nuur MADOBE (2008-2009, ad interim), SHARIF Sheikh Ahmed (2009-2012), Muse Hassan Sheikh Sayid ABDULLE (2012, ad interim), Mohamed Osman JAWARI (2012, ad interim), Hassan Sheikh MOHAMUD (2012-2017)

Unabhängig seit 1.7.1960. Das am 26. 6. 1960 unabhängig gewordene britische Somaliland bildete mit dem am 1.7.1960 unabhängig gewordenen UNO-Mandatsgebiet (früher eine italienische Kolonie) Somalia einen einheitlichen Staat.
Regionale, ethnische Differenzen kennzeichnen die politische Auseinandersetzung seit Jahren. 9 verschiedene Bürgerkriegsbewegungen mit einer Basis in jeweils anderen Gruppen oder Clans kontrollieren die verschiedenen Teile des Landes, darunter im Norden Somali National Movement, im Süden United Somali Congress (Hussein Aydid), Somali Patriotic Movement, Somali Salvation Alliance (Ali Mahdi Mohammed). Die provisorische Regierung konnte niemals eine tatsächliche Souveränität ausüben; seit dem Friedensabkommen vom 2004, geschlossen bei der 14. Friedenskonferenz unter Leitung der regionalen Organisation im Horn IGAD (Inter-governmental Authority on Development) in Nairobi, gab es „Transitional Federal Institutions“, in denen alle Fraktionen vertreten waren; das provisorische Parlament umfasste zuletzt 550 Mitglieder. 2012 wurde es durch 
ein Parlament mit 275 Mitgliedern – delegiert von 135 Clanältesten – ersetzt. 2016/2017 wurden Wahlen unter UN-Aufsicht abgehalten. Sie fanden an 6 ausgewählten Orten in Somalia statt und 13.000 Wahlmännern und –frauen waren zugelassen. Dabei wurde auch das Oberhaus mit 54 Mitgliedern bestimmt, davon 2 für Somaliland.

637.657 km2 gross (ca. 500.000 km2 ohne Somaliland); 10,8 Mio. Einwohner (Schätzung 2016 / etwa 7,8 Mio. ohne Somaliland). Derzeit rd. 1 Mio. Flüchtlinge in den angrenzenden Staaten und Bevölkerungsverschiebungen im Land. 60% Nomaden; Zuwachsrate 1,92%. Eine grosse Anzahl von Somalis leben als Emigranten in arabischen Ländern, aber auch in Europa und den USA. Gem. CIA factbook 2017 ist Somalia das Land, aus dem nach Syrien und Afghanistan die meisten Flüchtlinge stammen; 1,1 Mio. Flüchtlinge sind in angrenzenden Ländern, weitere 1,1 Mio. internally displaced.
Hauptstadt: Mogadishu (Mogadiscio) (2,13 Mio. Ew. 2015). Andere Städte: Hargeisa (Hauptstadt von Somaliland), Kismayu, Merca, Berbera.
Währung: Somali Shilling; 1.000 SOS = 1,63 € / 1,74 CHF

Offizielle Sprache: Somali und Arabisch (bis 1972 und wieder seit 2004). 85% der Bevölkerung sind Sprecher von Somali. Neben Arabisch (Somalia ist Mitglied der Arabischen Liga) und einigen Bantusprachen sind Englisch und Italienisch weit verbreitet.
Eine Differenzierung der somalischen Bevölkerung ist durch die Existenz von sechs Clans, wieder in zwei Gruppen zusammengefasst, gegeben: Samaal (Somal) mit Darod, Dir, Hawiye und Isaq. Saab mit Digil und Rahanweyn; gem. CIA Factbook gehören 15% der Bevölkerung zu anderen ethnischen Gruppen als Somali.

Wirtschaft: Die Produktion wie der Export werden vor allem im Norden durch die Viehwirtschaft bestimmt. Sie lieferte 1978 mit Lebendvieh und Häuten über 90% der Ausfuhren. Den Rest machten vor allem Bananen aus. Die Produktion von Lebensmitteln (Mais, Hirse, Zucker) reicht nicht hin, den Eigenbedarf zu decken. Immer wieder sind grosse Teile der Bevölkerung vom Hunger bedroht. Nur 1,8% des Bodens sind für Pflanzenbau geeignet, aber 68,5% sind als Weideland verwendbar.
Somalia verschuldete sich in den letzten Jahren zunehmend und war ohne ständig neue Kredite und Wirtschaftshilfe nicht imstande den Staat weiter zu finanzieren. Misswirtschaft und Eigennutz der amtierenden Politiker und der 1988 ausgebrochene Bürgerkrieg haben zu einer drastischen Veränderung der Wirtschaft geführt; im Handel lassen sich sehr rasche und hohe Gewinne erzielen und vor allem die Hauptstadt bietet einkommensstarken Gruppen die Deckung auch hoher Ansprüche. Warlords und ihre Milizen sichern einerseits die zahlreichen Millionäre in der Stadt ab, müssen andererseits am Gewinn beteiligt werden. Trotz Anarchie funktionieren bestimmte Teile der Wirtschaft und ebenso die Kommunikation recht gut; gem. CIA Factbook betrug das BIP 2014 5,8 Mrd. US-$ und es gab eine Inflation von -71%; die Importe betrugen 3,48 Mrd., die Exporte 819 Mio. US-$ (Schätzungen auf unbestimmbarer Grundlage, die gegenüber früheren Jahren einen starken Zuwachs annehmen). 2010 soll die Wirtschaft um 2,6% gewachsen sein. Kritisch gesehen wird immer wieder der Waffenimport, trotz UN-Sanktionen. Auslandsverschuldung 2013: 3 Mrd. US-$.