S U D A N
Al-Jumhuriyya as-Sudan / Republic of Sudan

letzte Bearbeitung 09.01.2018

Präsidialrepublik. Im Juni 1998 wurde eine neue Präsidialverfassung durch eine Volksabstimmung akzeptiert; 1999 teilweise wieder aufgehoben. 2005 wurde eine provisorische Verfassung verabschiedet; in einer Novelle von 2015 erweiterte das Parlament die Befugnisse des Präsidenten.
Im Süden tobte ab 1983 ein Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und SPLA (Sudan People’s Liberation Front), wobei aufgrund innerer Auseinandersetzungen der bewaffnete Widerstand in mehrere verfeindete Fronten zerbrach. Anfang 2005 gab es ein Friedensabkommen mit dem Sudan People's Liberation Movement und nach einem Referendum 2011 wurde der Südsudan unabhängig.
Staatschef: Genlt. Omar Hasan Ahmad al-BASHIR (seit 1989; zuletzt 2015 wiedergewählt); der Präsident ist zugleich Regierungschef.
frühere Staatschefs bzw. Premiers: Ismael AZHARI (1956), Abdullah KHALIL (1956-1958), General Ibrahim ABUD (1958-1964), Serr el-Khatm KHALIFA (1964-1965), Mohamed MAGUB (1965-1966, 1967-1969), Sadiq el-MAHDI (1966-1967), Abu Bakr AWADALLAH (1969), Gafaar NUMEIRI (1969-1985), General Sowar al-DAHAB (1985-1986), Mohamed O. MIRGHANI (als Vorsitzender des Staatsrates) und Regierungschef Sadiq el-Mahdi (1986-1989).

Unabhängig seit 1.1.1956. Bei den Wahlen von 2015 erhielt Hassan al-Bashir über 94% der Wählerstimmen; die 15 Gegenkandidat_innen blieben bedeutungslos.
Die Nationalversammlung (Majlis Watani) hat 426 Abgeordnete, von denen nach den Wahlen vom April 2015 der National Congress Party (NCP, Al Muttamar al Watani) des Präsidenten 323 Abgeordnete angehören. Die Democratic Unionist Party (Mohamed Osman al-Mirghani) erhielt 25 Sitze; DUP (Democratic Unionist Party, al-Hizb al-Ittihadi al-Dimuqrati) 15 Sitze, Federal Umma Party 7, Collective Leadership Umma Party 6. Die weiteren Abgeordneten verteilen sich auf 15 Kleinparteien und Unabhängige.
Als zweite Kammer fungiert ein Council of States (Majlis Welayat) mit 56 Mitgliedern, 54 indirekt gewählt.

1.861.484 km2 gross; 37,34 Mio. Ew. (2017); Zuwachsrate 1,64%; 34,2% städtische Bevölkerung. Aufgrund des Krieges mit dem Südsudan und des Völkermords in Darfur sind mehrere Mio. Menschen auf der Flucht bzw. internally displaced.
Hauptstadt: Khartoum (gem. mit Khartoum-Nord und Omdurman 5,12 Mio. Ew). Andere grössere Städte: Port Sudan, Wadi Madani, El Obeid
Währung: Sudanesisches Pfund (ersetzte 2007 den Dinar im Verhältnis 1 zu 100), 10 SDG = 1,19 € / 1,39 CHF

Offizielle Sprache: Arabisch und Englisch; etwa 70% der Bevölkerung haben Arabisch als Erstsprache. Dazu kommen laut Ethnologue über 70 weitere Sprachen wie Nubisch, Beja (Kuschitisch), Fur (900.000) und Zaghawa; Ethnologue führt auch Sprachen an, die von zugewanderten Gruppen gesprochen werden, wie Hausa, Kanuri oder Ful.

Wirtschaft: 50% der Arbeitskraft sind in der Landwirtschaft tätig, die etwa 1/3 des BIP produziert. Von besonderem Wert sind vor allem die künstlich bewässerten Regionen („Gezira Scheme“). Industrie und Gewerbe stellen vor allem Waren für den lokalen Bedarf her. Ihr Beitrag zum BIP liegt bei 6 bis 8%. Seit 1999 wird Erdöl exportiert, doch verhinderte der Bürgerkrieg die Entfaltung der Produktion. Inflationsraten von 200 bis 300% hatten eine mehrmalige Währungswechsel – vom alten Pfund zum Dinar und dann zum Neuen Pfund – zur Folge; die Inflation stabilisierte sich erst ab 2000 (2004 9%) und beträgt aktuell wieder über 17%. Die gesamte Fläche ist landwirtschaftlich nutzbar, doch 84% als Weideland. Hirse, Mais, Weizen, Bohnen, Maniok und auch Zuckerrohr werden weitgehend für den lokalen Konsum angebaut. Bei den Agrarexporten hat die Bedeutung der Baumwolle Anfang der 1980er Jahre vorübergehend abgenommen, weil man versuchte, Getreide für den arabischen Markt zu produzieren. Weitere Exportprodukte: Erdnüsse, Sesam, Vieh und Fleisch, Getreide, Gummi arabicum. Das BIP betrug 2016 91,2 Mrd. US-$; Wirtschaftswachstum 3,1%, Inflation 17,8%, Auslandverschuldung 51,2 Mrd. US-$. Exporte in Höhe von 3 Mrd. US-$ standen 2016 Importen im Wert von 7,25 Mrd. US-$ gegenüber. Neben einer Reihe arabischer Staaten ist China – nicht zuletzt im Erdölbereich – ein wichtiger Handelspartner. Während eine Minderheit immer reicher wird, quellen die Städte über von Flüchtlingen aus dem offenen Land und aus Nachbarstaaten. 47% der Bevölkerung leben unter der nationalen Armutsgrenze, doch ist ihr Anteil in ländlichen Gebieten deutlich höher (58%, FAO)