T S C H A D
République du Tchad / al-Jumhuriyya al-Tashad / جمهورية تشاد

letzte Bearbeitung 20.02.2017

Republik auf der Basis einer Verfassung von 1996, 2005 novelliert. Das Verfassungsreferendum und Wahlen beendeten 1996 die durch eine Nationalkonferenz 1993 eingeleitete Übergangsperiode zur Demokratie; mit einem Referendum machte 2005 der Staatschef seine Wiederwahl möglich. Die Geschichte des Landes, kolonial wie in der Unabhängigkeit, war und ist immer wieder durch bewaffnete innere Auseinandersetzungen geprägt.
Präsident: (Generalleutnant) Idriss DEBY (seit 1990, 2016 zum 4. Mal wiedergewählt)
Frühere Staatschefs: N'Garta (Francois) TOMBALBAYE (1960-1975), General Felix MALLOUM (1975-1979), Lol Mahamat CHOUA (1979), Goukouni OUEDEI (1979-1982), Hissein HABRE (1982-1990)

Unabhängig seit 11.8.1960.
Idriss Déby wurde im Mai 2006 mit knapp 65% der Stimmen wiedergewählt; im Inland wie im Ausland waren deutliche Proteste gegen die Verlängerung der Amtszeit zu vernehmen. Die letzten Parlamentswahlen fanden 2011 statt; 2015 wurde das Parlament auf unbestimmte Zeit verlängert. Mandatsverteilung: 117 von 188 Sitzen für die Partei des Präsidenten (MPS, Mouvement Patriotique du Salut), vor UNDR (Union Nationale pour la Démocratie et le Renouvellement, Saleh Kebzabo) 10, RDP (Rassemblement pour la Démocratie et le Progrès) 9, URD (Union pour le Rénouveau et la Démocratie, Lol Mahamat Choua) 8, Rassemblement des Nationaliste Tchadiens (RNDT/ Le Réveil) 8 sowie weiteren 6 Parteien und unabhängigen Kandidaten.

1,284.000 km2 gross; 11,85 Mio. Einwohner (2016). Mit 9,2 Ew. / km2 eines der dünnst besiedelten Länder Afrikas; knapp 78% ländliche Bevölkerung. Zuwachsrate 1,88% (2016). 300.000 Flüchtlinge aus dem Sudan (Darfur) und weitere aus der Zentralafrikanischen Republik schaffen politische und soziale Probleme.
Hauptstadt: N'Djamena (1,26 Mio. Ew. 2015, früher Fort Lamy)
Andere grössere Städte: Moundou, Sarh, Abeche.
Währung: Franc CFA, 100 F CFA = 0,15 € (1 FF) / 0,16 CHF

Offizielle Sprachen: Arabisch und Französisch
Arabisch hat im Norden als Verkehrs- und Unterrichtssprache grosse Bedeutung. Die Gruppen im Süden, etwa 54% der Gesamtbevölkerung, werden oft nach der zahlenmässig stärksten unter „Sara“ zusammengefasst. Im Norden leben neben Sprechern des Arabischen auch Tubu, Teda, u.a.

Wirtschaft: Die Wirtschaft des Landes ist durch den Subsistenzsektor (Hirse u.a) und die Exportproduktion von Baumwolle, die durch ihre Ausdehnung die Lebensmittelproduktion bedroht, gekennzeichnet. Baumwolle machte über lange Zeit 3/4 bis 4/5 der Exporte aus. Lebendvieh, Fleisch, Gummi Arabicum stellten den zweitwichtigsten Exportanteil. Knapp 40% des Landes, vor allem im Süden und mittleren Teil, sind landwirtschaftlich nutzbar.
Von den Bodenschätze (Uran, Gold, Zinn, Bauxit, Erdöl im Südwesten) ist heute vor allem Erdöl wichtig; ein ausländisches Konsortium unter Führung zweier US-amerikanischer Firmen investierte 3,7 Mrd. US-$ in die Vorkommen, die auf 2 Mrd. barrels geschätzt werden. Im Oktober 2003 ging die Pipeline von Doba nach dem Hafen Kribi in Betrieb. Die durchschnittliche Fördermenge betrug 2005 225.000 bbl („barrels of oil“).
In einer durch ständige Unsicherheit gekennzeichneten Situation gewann einerseits der Rückzug in die Subsistenz, anderseits der Handel mit importierten oder geschmuggelten Waren, bei dem hohe Gewinnspannen erzielt werden können, grosse Bedeutung. Der Beginn der Erdölerschliessung und -förderung markierte sowohl eine Veränderung in der weltpolitischen Orientierung des Tschad – von Frankreich zu den USA – als auch eine Ende der krassen Abhängigkeit von (französischer) Entwicklungshilfe. Die Einkünfte aus dem Erdöl verschönern zwar die Handelsbilanz, kommen aber kaum der Entwicklung des Landes zugute. Die zuletzt aufgeflammten Auseinandersetzungen haben wesentlich den Wettbewerb um die Erdöleinkünfte als Hintergrund. 2015 erhielt das Land eine Entschuldung gem. der HIPC Initiative.
BIP (20015): 10,44 US-$; 2016 schrumpfte die Wirtschaft (-1,1%); Inflation 3,8%, Auslandsschulden 1,87 Mrd. US-$; Exporte im Wert von 4 Mrd. US-$ standen Importen von 3 Mrd. US-$ gegenüber. Wichtigster Partner bei den Exporten sind die USA, bei den Importen Frankreich und China. Knapp 40% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze.