T U N E S I E N (TN)

Al-Jumhuriyya at-Tunisiyya

 

Republik seit dem Sturz des Bey am 25.7.1957. Die Regierungspartei RCD, Rassemblement Constitutionel Démocratique, löste nach dem erzwungenen Rücktritt Habib Bourguibas den PSD (Parti Socialiste Destourien, früher Néo-Destour) ab. Offenes Mehrparteiensystem seit 1988. Proteste der Bevölkerung - der „arabische Frühling“ – führten 2011 zur Abdankung und Flucht Ben Alis. Eine gewählte konstituierende Nationalversammlung formulierte eine neue Verfassung, die 2014 in Kraft trat. Im ersten Artikel heisst es: „La Tunisie est un État libre, indépendant et souverain, l’Islam est sa religion, l’arabe sa langue et la République son régime.

Staatschef: Beji CAID ESSEBSI (2014-)

Frühere Staatschefs: al-Amin Bey (Muhammad al-Amin [Lamine] Pasha-Bey, 1943-1957), Präsident Habib BOURGUIBA (1957-1987), Zine El Abidine BEN ALI (1987-2011), Moncef MARZOUKI (2011-2014, ad interim)

 

 Unabhängig seit 20.3.1956. Nachdem Wahlen auch nach der Einführung eines Mehrparteiensystems 1975 immer durch eine Partei dominiert wurden, boten die Wahlen vom Oktober 2014 zum ersten Mal – sieht man von den Wahlen zur Konstituante 2011 ab - eine offene Möglichkeit der Entscheidung. Von den 217 Sitzen erhielten Nidaa Tounès 86, Ennahdha 69, Union patriotique libre (UPL) 16, der Front populaire 15 und Afek Tunes 8. Weitere 13 Parteien haben zwischen 1 und 4 Abgeordnete.

4 Parteien (Nidaa Tounès, Ennahdha, Union patriotique libre (UPL) und Afek Tounes) tragen die Regierung, doch kam es seit der Wahl zu Differenzen zwischen und in den Gruppierungen.

 

164.150 km2 gross (CIA fb 163.619); 11,13 Mio. Einwohner (2016), Zuwachsrate: 0,86%, knapp 67% städtische Bevölkerung

Hauptstadt: Tunis (2 Mio. Ew., 2016). Weitere grössere Städte: Sfax, Ariana, Ettadhamen, Sousse, Bizerta, Kairouan.

Währung: Dinar. 1 TND = 1.000 Millimes = 0,41 € / 0,44 CHF

 

Offizielle Sprache: Arabisch. Französisch wird in allen Bereichen als Kommunikationsmittel verwendet. Berber sind in Tunesien nur noch in kleinen Gruppen vertreten. Die grosse Bedeutung des Fremdenverkehrs und die Emigration haben zu einer gewissen Verbreitung anderer europäischer Sprachen (wie Deutsch) beigetragen.

 

Wirtschaft: Tunesien schaffte mit Verarbeitungsbetrieben (Leder, Textilien) sowie dem Tourismus eine vorbildliche wirtschaftliche Entwicklung, die jedoch durch zunehmende Korruption und die internationale Krise, zuletzt durch Unruhen und Regimewechsel in Mitleidenschaft gezogen wurde. Seit 1998 ist das Land an die EU assoziiert.

Bergbau: Phosphate, Eisenerz, Erdöl, Gas - etwa 20% der Ausfuhren. Landwirtschaft: Es dominieren Getreide, Gemüse und Oliven. Die koloniale Landwirtschaft hat neben der Ausweitung des Olivenanbaus Wein und bestimmte Obstsorten gebracht. Einerseits werden Lebensmittel exportiert, anderseits müssen immer wieder Grundnahrungsmittel importiert werden, wenn die Ernte schlecht ausfällt. Knapp 65% des Bodens sind landwirtschaftlich nutzbar.

Das relativ starke Wirtschaftswachstum seit den 1970er Jahren wurde immer wieder durch Rezessionsphasen unterbrochen. Tourismus und industrieller Lohnfertigung nützen die billige Arbeitskraft wie die staatlichen Förderungsmassnahmen. Eine Förderung privater Industrie brachte dem einheimischen Kapital gute Entwicklungschancen, während als Folge ständig steigender Lebensmittelpreise und zurückbleibender Löhne die Lebenshaltung für grosse Teile der Bevölkerung immer schwieriger wurde. Für die 1990er Jahre ergab sich ein durchschnittliches Wachstum von 6,2%, das sich in der folgende Dekade auf 5% reduzierte.

BIP (2015) 42,4 Mrd. US-$; weitere Kennzahlen für 2016: Wirtschaftswachstum 1,5%, Inflation 3,8%, Exporte 12,88 Mrd. US-$, Importe 17,75 Mrd. US-$, Auslandsverschuldung 27,23 Mrd. US-$ (2004). Wirtschaftspartner sind in erster Linie Frankreich und andere EU-Staaten. Die allgemeinen Angaben zur Arbeitslosigkeit (15,4% in 2016) müssen insofern differenziert gesehen werden, als bestimmte Regionen oder Branchen besonders betroffen sind; 15,5% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.

2003 kamen 5,11 Mio. Touristen; der Sektor beschäftigte direkt etwa 88.000 Arbeitskräfte und brachte ein Deviseneinkommen von 1,9 Mrd. TND (1,17 Mrd. €). 2015 waren es 2,35 Mio. Touristen und 230.000 Beschäftigte waren vom Tourismus abhängig.