K E N Y A

Aus einem Buch, das Sie unbedingt lesen sollten:

Githuku, Nicholas K. 2016. Mau Mau crucible of War: Statehood, National Identity, and Politics of Postcolonial Kenya. Lanham: Lexington Books, pp. 485ff:

„Die ungelöste Frage der Landpolitik und der diesbezüglichen nationalen Massnahmen ist grundlegend für die Verfassungsordnung und die Gestalt oder den Charakter des kenyanischen Staates. [...] Die Verfassungskommission [Constitution of Kenya Review Commission – CKRC] hörte von tausenden, und möglicherweise Millionen Menschen jede Menge Unrechtserzählungen, die bis eineinhalb Jahrhunderte zurück reichen. Das sind individuelle und gemeinschaftliche Geschichten über den Diebstahl von Land oder anderem Besitz, Gewalt gegen Gemeinschaften, politisch motivierten Mord, und Vertreibung von Menschen, Folter, Diskriminierung und Ausgrenzung von Minderheiten, sowie ein politisches und rechtliches System, in dem Straflosigkeit blühte. […]
Kenya übernahm ein koloniales Erbe, das Differenzen und Interessenskonflikte zwischen seinen Menschen förderte. Es ist ein Erbe, das zur ungleichen Entwicklung von Regionen und Völkern führte. Mehr noch, der postkoloniale Staat Kenya stützt sich immer noch auf Zwangsmassnahmen und primitive Aneignung. Er ist daher ein Staat, der immer noch nicht den immanenten Wert der Einzelnen anerkennt. So kommt es, dass Einzelne wie Gemeinschaften für den Staat da sind und die Wenigen, die über ihn verfügen. […]
Die Mehrheit der Kenyaner und Kenyanerinnen lebt immer noch mit allen möglichen Formen von Entmenschlichung und Herabsetzung, fehlenden Chancen zur eigenen Entfaltung, Selbstbestimmung und dem Fehlen der Voraussetzungen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Wir können damit rechnen, dass dies zu Verbitterung der Marginalisierten führt sowie zu öffentlicher Kritik und Widerstand gegen die arroganten Privilegierten, die denken, der Staat gehöre ihnen. Doch noch ist nicht alles verloren.
Die Verfassung [von 2010] hat zwei entscheidende Funktionen: nation-building und state-building. Rechtselemente wie Bürgerschaft, Werte, Rechte oder die Beziehungen der Gemeinschaften untereinander gehören zum ersten; die Schaffung von Institutionen, Gewaltenteilung, Rechtfertigungspflicht und Rechtsprechung zum zweiten. Es besteht wohl die Möglichkeit, dass Rechtsstaatlichkeit, die Schaffung nationaler Solidarität auf der Grundlage gemeinsamer Werte sowie das Bekenntnis zu fairen und gleichen Chancen für alle sich endlich durchsetzt.“
[…]
Der gelungene Weg in eine glänzende Zukunft ist der Aufbau einer gerechten Gesellschaft, einer neuen politischen Ordnung, und einer stabilen Regierung, die sicherstellt, dass die Mehrheit der Bevölkerung, ganz simpel gesagt, ihren fairen Anteil am Kuchen ihrer uhuru, ihrer Souveränität, bekommt.“

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