Äquatorialguinea

Korruption, Armut und Menschenrechtsverletzungen plagen das „reichste“ Land Afrikas

Obgleich Spanien einen grossen Teil der Guineaküste beansprucht hatte, blieb ihm schliesslich nur ein kleines Stück Festland – nebst den vorgelagerten Inseln – sowie zwei grössere Inseln weiter draussen im Atlantik. Die Briten verwendeten bis 1854 Fernando Poo als Stützpunkt, von wo aus sie den Kampf gegen Sklaverei und die Kolonisierung Nigerias betrieben.

Die Spanier begannen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Kolonie mittels Vergabe von Konzessionen an Firmen und Einzelpersonen zu nutzen. Kakao, Kaffee und Holzgewinnung brauchten Arbeitskräfte, die vor allem auf den Inseln nicht vorhanden waren; die Kontrolle bzw. der „Import“ der Arbeitskraft wurde darum zu einer zentralen Aufgabe der Verwaltung. In den 1970er Jahren lebten rd. 70.000 Nigerianer_innen als Arbeitskräfte im Land.

Die einheimische Bevölkerung bliebe von der kolonialen Präsenz weitgehend unberührt. Sie wurde von der Regierung der  Kirche überlassen und einem „curador colonial“, der wenig für oder gegen ihre Emanzipation tat. Nur wenige Einheimische erreichten den Status eines emancipado. Madrid und einige koloniale Unternehmer bestimmten das Geschehen.

Als Folge seines UNO-Beitritts 1955 sah sich Spanien gezwungen, seine koloniale Politik zumindest der Form nach zu ändern. Die Regierung in Madrid schuf zwei Provinzen anstelle einer Kolonie und beseitigte die rechtliche Unterscheidung von indígenas und emancipados. Dies erlaubte den Afrikanern die Beteiligung an politischen Entscheidungen - immer in den Grenzen der für ganz Spanien geltenden Spielregeln des faschistischen Regimes.

Einflussreiche spanische Politiker bzw. Wirtschaftsleute sicherten sich lokale Strohmänner, über die sie eine Scheinpolitisierung der Kolonie erzeugten; Garcia Trevijano, der verschiedene Wirtschaftsunternehmen vertrat – er galt u.a. als Verbindungsmann zu Opus Dei, zum CIA und zur Rothschild-Gruppe – setzte sich durch. Sein Kadidat Macias Nguema gewann die Präsidentenwahlen und im Oktober 1968 wurde Äquatorialguinea unabhängig.

Die wirtschaftliche Ausrichtung auf Kakao, Holz und Kaffee blieb, ebenso der Einfluss der ausländischen Plantagenbesitzer und Holzverwerter. Nur bei Kaffee war die Produktion in einheimischen Händen. Die Ausgangsposition war verglichen mit anderen afrikanischen Staaten gut, doch kam es aus politischen Gründen bald zu einem Rückschlag.

Die Konzentration der Macht auf den Präsidenten war bereits durch die ursprüngliche Verfassung garantiert; die krankhafte Persönlichkeit des Staatschefs machte aus dem Land ein „Straflager“. Personenkult, Gewalt gegen wirkliche oder eingebildete Opposition, willkürliche Verhaftung und Liquidation prägten die Verhältnisse. 1/3 der Bevölkerung flüchtete aus dem Land.

Nguema überwarf sich mit der Regierung Spaniens und mit den fremden Unternehmern im Land; die Exportwirtschaft brach ein. Gewaltsames Vorgehen gegen die eigene Armee führte 1979 zu einem Umsturz. Macias Nguema wurde durch Mitglieder seiner Familie gestürzt und Teodoro Obiang Nguema Mbasogo übernahm die Macht.

Der Clan Esangui, die soziale Basis von Staatschef Obiang Nguema, setzte in den folgenden Jahren die Konzentration der Macht in den Händen seiner prominenten Mitglieder fort, wirtschaftlich wie politisch. An den Verhältnissen änderte sich wenig. Spanien, Frankreich, Deutschland, die Internationalen Organisationen und wer immer seine Interessen in Äquatorialguinea zu wahren oder auszubauen suchte, liessen Verstösse gegen die Menschenrechte ebenso unbeachtet wie Korruption, Unterschlagungen und Ausbeutung.

Äquatorialguinea schloss sich der frankophonen afrikanischen Staatengruppe an und übernahm 1984 auch die Währung der Communauté financière africaine, CFA. Der Druck von Aussen brachte 1993 eine Mehrparteienverfassung, doch konnte keine der politischen Bewegungen im Land wie im Exil tatsächlich politisch wirksam werden. Die Entdeckung und Aufschliessung von Erdöl- und Erdgasvorkommen brachte eine Wende. US-amerikanische Firmen übernahmen die wirtschaftliche Kontrolle. Das kleine Land wurde – zumindest dem Pro-Kopf-Einkommen nach – zum reichsten Staat Afrikas. Der grösste Teil der Einnahmen verschwand und verschwindet jedoch in den Taschen der regierenden Familien. Kaum etwas von dem neuen Reichtum sickert herab zu den einfachen Menschen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze; die Einschulungsrate ist die niedrigste in Afrika.

Obiang Nguema, inzwischen der längst „dienende“ Diktator Afrikas, designierte seinen Sohn Teodorin Obiang Nguema zum Nachfolger. Der Sammler von Luxusgütern wurde allerdings in den vergangenen Jahren mehrfach von ausländischen Gerichten wegen Korruption verurteilt; Brasilien beschlagnahmte teure Uhren im Wert von 15 Mio. US-$, die Schweiz 25 Luxusautos und ein Pariser Gericht verurteilte ihn wegen Geldwäsche von 150 Millionen Euro zu drei Jahren Haft auf Bewährung und einer Strafe von 30 Millionen Euro. Ähnliche Verfahren liefen und laufen in den USA und Spanien Das Geld für die Befriedigung seiner Luxusbedürfnisse bezieht Vizepräsident Teodorin nach Erhebungen vor allem aus dem Verkauf von Tropenholz.

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