Lesotho

Ein kleines Land in fremder Hand

Lesotho ist ein Binnenstaat, zur Gänze umgeben von der Republik Südafrika. Die Angriffe und Gebietsansprüche der Buren und Engländer trieben die Basotho immer weiter in ein gebirgiges Rückzugsgebiet über 1.400 m und liessen nur wenig für landwirtschaftliche Nutzung.

Der Druck von Aussen und die integrierende Kraft einer Führungspersönlichkeit - Moshoeshoe I. – waren neben wirtschaftlichen Faktoren wesentlich dafür, dass verschiedene Sotho-sprechende Gruppen in vor- bzw. frühkolonialer Zeit zu einer „Nation“ wurden. Der Gebietsverlust und die daraus resultierende Verdichtung der Bevölkerung, die christliche Mission, weisse Siedler und eine kleine einheimische Oberschicht prägten die Kolonialzeit ebenso wie immer wiederkehrende Dürreperioden.

Die Basotho zeigten sich in der Frühzeit sowohl als Getreideproduzenten wie als Transportunternehmer den weissen Siedlern überlegen; der Verfall der Getreidepreise durch billige Importe aus Australien und protektive Regelungen der südafrikanischen Regierungen brachten sie um diesen Vorteil und liessen der Bevölkerung als Alternative nur die Arbeitsmigration in die südafrikanischen Bergbaugebiete. Modernisierung hiess für einen Grossteil unter ihnen Verschlechterung der Lebensbedingungen, abnehmende gesellschaftliche Sicherheit, zunehmend autoritäre Herrschaft der Chiefs und Verlust wirtschaftlicher und politischer Rechte.

Die Kolonialverwaltung förderte den Ausbau pseudotraditioneller Institutionen und arbeitete eng mit den traditionellen Autoritäten zusammen. Über die local councils erhielten auch „moderne“ Vertreter der Mittel- und Oberschicht politischen Einfluss. Die Gründer der ersten nationalen Partei, des Basutoland African Congress kamen aus einer verwestlichten Mittelschicht und standen gegen Konservative, Siedler und Royalisten.

Die Verlust des nutzbaren Bodens entzog kleinen Bauern die Wirtschaftsgrundlage, dem gegenüber wuchs der Grundbesitz bei einigen wenigen: Chiefs, weisse Siedler und Mission. Die britische Kolonialmacht investierte kaum in das kleine Territorium, überliess es wirtschaftlich der Südafrikanischen Union, war jedoch auch nicht bereit das Territorium der dort regierenden weissen Minorität zu überlassen.

Die Verfassungsgespräche hatten eine politische Struktur ähnlich der britischen zum Ergebnis. 1966 wurde Basutoland als Lesotho unabhängig, eine konstitutionelle Monarchie mit Parlament und Oberhaus. Regierungschef wurde Leabua Jonathan, unterstützt von einem Grossteil der Chiefs, Südafrika, den weissen Geschäftsleutren imLandun vor allem Südafrika.

In mehr als einem Sinn bedeutete Lesothos Unabhängigkeit eine neue Art von Abhängigkeit. 1966 stammten 67% des Staatseinkommens aus britischer Unterstützung. 1981 finanzierte die Südafrikanische Zollunion 63% der Regierungsausgaben. Die britischen Beamten quittierten allmählich den Dienst – und wurden durch südafrikanische Experten ersetzt, oder dort, wo es politisch nicht sensibel war, durch das internationale Kader der Entwicklungshilfe. Lesotho war Teil der Südafrikanischen Zollunion und der Rand fungierte als Zahlungsmittel. Selbst als mit dem Maloti 1980 ein eigenes Zahlungsmittel eingeführt wurde, blieb die Bindung an den Rand erhalten.

Die Wanderarbeit, lange Zeit das wichtigste Einkommen, war von der Umstrukturierung der südafrikanischen Wirtschaft betroffen, die immer mehr auf inländische Arbeitskraft setzte und den Einsatz von Migranten auf die Minen einschränkte. Von der Erhöhung der Löhne in den Minen profitierten aber auch Lesothos Arbeiter, deren Zahl in den 1970er und Anfang 80er Jahren zwischen 150.000 und 200.000 lag.

Jonathan regierte zunehmend autoritär. Als Reaktion ging der König ins Exil, wurde Entwicklungshilfe gestoppt und Südafrika begann eine Wirtschaftsblockade. 1986 beendete ein Putsch der Lesotho Paramilitary Force zwanzig Jahre Regierung Leabua Jonathan. Die Militärs nützten das politische Prestige des Königs, um ihre Macht zu legitimieren. Offiziell war er es, der nach Aufhebung der Verfassung Gesetzgebung und Exekutive in Händen hielt: Er handelte allerdings „unter Anweisung des Militärrates“. Freilich, ohne das „Wohlwollen“ Südafrikas konnten die Militärs kaum lange an der Regierung bleiben. Dafür setzten sie auch die Unterschrift unter den Vertrag für ein Projekt, das die Versorgung südafrikanischer Städte mit Wasser aus den Bergen Lesothos sichern sollte. Premier Jonathan musste gehen, weil er das Wasser als Faustpfand für eine verbesserte politische Situation im Südlichen Afrika nutzen wollte. Seine Nachfolger aber stimmten einem bedingungslosen Ausverkauf zu, der Südafrika noch mehr Eingriffsmöglichkeiten in Lesotho bietet und dem Land das Verfügungsrecht über eigene Ressourcen entzieht.

1990 zwangen die Militärs König Moshoeshoe II. abzutreten und inthronisierte dessen Sohn Mohato Seeisa als Letsie III.

Die folgenden Jahre waren und sind gekennzeichnet von Machtkämpfen zwischen König, Parteien, Militärs, Gebern von Entwicklungshilfe, Südafrika und internationalen Investoren, zu Gunsten der einen oder anderen, zu Lasten der Bevölkerung. Lesothos Wasserverkauf erweist sich als einträglich, die chinesische Textilproduktion für den Markt in USA bietet über 47.000 Arbeitsplätze, und Bauunternehmen ziehen viele Aufträge an sich. Lokale Unternehmer kritisieren, dass die chinesischen Unternehmen nur wenige lokale Fachkräfte anstellen und die benötigten Materialien und Maschinen so weit als möglich aus China importieren.

In der Präambel des Koalitionsabkommens der vier Regierungsparteien hiess es 2017: „For most of its 50 years of independence, Lesotho has been dominated by political instability, weak institutions and polarization of society on political grounds. Consequently, its economy has remained fragile and dependent on factors Lesotho has little control of. Weak democratic culture has contributed to the lack of strong institutions as well as social and economic policies to build a strong shared economy needed to support all its people. In the absence of strong institutions and public policies, poverty, hunger, inequality, ignorance and ill-health have persisted and have left many Basotho vulnerable to daily challenges of life.“ (https://www. gov.ls) Die Partner versprachen in der Folge „To rescue Lesotho from the current downward spiral into lawlessness, conflict, political instability, economic stagnation and degradation ofdemocracy“.

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