Gabun

Präsidialmonarchie und Rentenökonomie im Umbruch?

Gabun liegt an der Atlantikküste. Es wird durch das Flusssystem des Ogowe zum Landesinneren hin geöffnet; an dessen Mündung liegt der Hafen Port Gentil. Die Hauptstadt Libreville wurde am langen Mündungstrichter des Komo begründet; beide Landesteile verbindet die transgabunische Eisenbahn. Das an Bodenschätzen reiche „Haute-Ogoue“ ist allerdings besser Richtung Kongo-Brazzaville aufgeschlossen.

Der Staat hat etwa 90% der Fläche, jedoch nur etwa 1/30 der Einwohner Italiens Noch heute sind etwa 82% des Staates von Regenwald bedeckt. Das dünn besiedelte Gebiet bot keine Möglichkeiten für die Entstehung grösserer vorkolonialer Staaten und Wirtschaftseinheiten; weiträumig war es weder in den atlantischen noch in einen afrikanischen Binnenhandel eingebunden.

Die koloniale Eroberung begann mit einer französischen Niederlassung im Rahmen der Antisklavereibewegung („Libreville“), die von den Kolonisatoren nicht besonders hoch bewertet wurde. Mit der Schaffung der Verwaltungseinheit AEF (Afrique Equatoriale Française) verlor es auch seine Rolle als regionales französisches Zentrum an Brazzaville.

Der Einfluss der kolonialen Wirtschaft auch über die Zeit der Raubgesellschaften hinaus trug stark zu einer Verringerung der Bevölkerung bzw. zu deren ungleicher Verteilung bei. Es gibt nur wenige Städte, doch wohnen heute fast 90% der Bevölkerung in städtischen Siedlungen. Die koloniale Wirtschaft und damit auch die Gesellschaft war vor allem auf die Holzgewinnung ausgerichtet. George Simenon veröffentlichte 1933 mit Coup de lune („Tropenkoller“) eine einprägsame Darstellung der kolonialen Gesellschaft dieser Zeit.

Die zentralistische Kolonialverwaltung musste ihre Macht mit den französischen Kolonisten teilen; konservativ war und blieb auch die zahlenmässig kleine Elite in den Küstenstädten. Die hohe Präsenz ausländischer Wirtschaftsleute blieb auch nach der Unabhängigkeit erhalten

Die Entkolonisierung verlief „harmonisch“ und unter starker Einflussnahme von Kolonialfranzosen; die nationalen Politiker bauten einerseits auf tribale Solidarität, anderseits auf die Kooperation mit den Franzosen. Frankreich muss heute seinen Einfluss zunehmend mit den USA teilen.

Gabun war bereits in der Kolonialzeit die reichste unter den franz. Besitzungen Zentralafrikas. Die Holzwirtschaft expandierte nach der Unabhängigkeit weiter, doch seit den 1970er Jahren wurde sie in der Bedeutung  durch vor allem Erdöl und andere Bodenschätze (Manganerz) abgelöst.

Der Staat kann am ehesten als „Präsidialmonarchie“ bezeichnet werden. Die Konzentration der Macht auf den Präsidenten begann unter Leon Mba und wurde durch seinen Mitarbeiter und Nachfolger Bongo zu einsamer Perfektion geführt; dem entsprechend folgte ihm sein Sohn Ali Bongo Ondimba als Staatschef. Der Reichtum des Landes, bei gleichzeitig geringer Einwohnerzahl, und die enge Kollaboration mit dem Norden (Frankreich, USA), sicherten den Staatschef in seiner Position, doch beginnt das System allmählich brüchig zu werden, was nicht zuletzt an den gewaltsam niedergeschlagenen Protesten anlässlich der letzten Wahl des Präsidenten 2016 sichtbar wurde.

Gabun ist eine „Rentenökonomie par excellence in Afrika“. Das Pro-Kopf Einkommen lag 2018 bei 8.297 US-$ und war damit das vierthöchste in Afrika (nach den Inselstaaten Seychellen, Äquatorialguinea und Mauritius). Ein beträchtlicher Prozentsatz des Nationaleinkommens wurde nicht produktiv im Land investiert, sondern konsumiert, in Prestigebauten angelegt, oder ins Ausland transferiert. Dafür lebt gut 1/3 der Bevölkerung unter der Armutsgrenze und die Arbeitslosigkeit ist hoch.

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