Südsudan

 

Bilder einer Staatsruine

"Es ist das jüngste Land der Welt, und es gibt kaum noch Hoffnung auf ein friedliches Leben. Zahlreiche Bevölkerungsgruppen bekämpfen sich. „Der Südsudan ist am Tiefpunkt“, sagt der Chef der UN-Blauhelm-Mission.

Jubas Flughafen ist ein Zelt. Die Ankunftshalle besteht aus einem Holzbodengerüst und einer Plastikplane. Dazwischen drängelt sich ein hektisches Häuflein von Diplomaten, bleichen Hilfswerkern, dunkelhäutigen Uniformierten, ein paar verirrten Geschäftsleuten und den in Afrika inzwischen allgegenwärtigen Chinesen. Täglich kommt in der südsudanesischen Hauptstadt ein halbes Dutzend Flugzeuge aus der Region an. Ihnen entsteigen vor allem professionelle Elendsverwalter. Neben dem Zelt soll ein neues Flughafengebäude entstehen. Das ist allerdings schon seit zehn Jahren der Fall.

Sudans Präsident Salva Kiir musste jüngst einräumen, dass sein Land pleite ist. Die Zentralbank verfüge über kein Geld mehr, sagte der Staatschef mit dem schwarzen Cowboy-Hut: „Und da ist nichts, was wir auf die Schnelle ändern könnten.“ Dennoch feuerte Kiir vorsorglich seinen Finanzminister: Auch wenn dieser für die Pleite des Landes nicht viel mehr kann als ein Lastwagenfahrer für einen platten Reifen. Präsident Kiir hält sich seit geraumer Zeit nicht mehr in seinem in der Stadtmitte gelegenen Amtssitz auf. Der sei einsturzgefährdet, erzählt ein einheimischer Journalist. Für die von der Straße aus sichtbaren Wachtürme gilt das auf jeden Fall. Sie sind von Einschusslöchern durchsiebt, statt Scheiben sind Sandsäcke in ihren Fenstern. Hier lieferten sich die Truppen Kiirs und seines Stellvertreters Riek Machar vor zwei Jahren heftige Gefechte: Der Konflikt zwischen dem Dinka Kiir und dem Nuer Machar stürzt den jüngsten Staat der Welt immer tiefer ins Verderben."

Johannes Dieterich– Stuttgarter Nachrichten, 06. April 2018

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