K E N Y A

It is QUITE DIFFICULT to vote without tribe!

An der Küste Ostafrikas folgte die europäische Kolonisierung des „scramble for Africa“ auf eine Zeit der arabischen Herrschaft, die freilich selbst wieder im Wettstreit mit den Portugiesen ihre Macht im Indischen Ozean durchsetzen hatte müssen.

Das Hinterland Kenyas wurde in den Jahrzehnten vor der Kolonisierung durch Kriege und Katastrophen erschüttert. Das erleichterte den Kolonisatoren Fuss zu fassen. Die Eroberung durch die Imperial British East Africa Company und die britische Kolonialarmee war von Gewalt gekennzeichnet. Widerstand beantworteten die Kolonisatoren mit der Zerstörung von Feldern und Geräten, mit der „Beschlagnahmung“ von Produkten und Tieren und mit dem Niederbrennen ganzer Dörfer. So gerieten ständig neue Gruppen der Bevölkerung Kenyas in wirtschaftliche Notlage und Abhängigkeit. Nach Abfertigung der Kolonialgesellschaft begründeten die Briten 1895 das East Africa Protectorate, das 1920 in Kenya (Colony and Protectorate of Kenya) umbenannt wurde.

Mit dem Bau der Bahn von Mombasa nach Kampala entstand auch Nairobi, das 1906 zur Hauptstadt der Kolonie wurde. Die Zuwanderung weisser Siedler, die in den hochgelegenen und fruchtbaren Teilen Kenyas ideale Bedingungen vorfanden, brachte tiefgreifende Veränderungen. Etwa drei Viertel der Bevölkerung Kenyas lebten Ende des 19. Jahrhunderts in den Highlands und waren von der „Landnahme“ der Siedler betroffen. Ein koloniales Bodenrecht enteignete die einheimische Bevölkerung und ermöglichte den Erwerb fruchtbaren Landes durch Siedler und Agrarunternehmen. Die Bewohner wurden in weniger fruchtbare Regionen abgeschoben oder zu Pächtern und Lohnarbeitern gemacht. 1953 besassen 4.000 Siedler fast 3 Millionen ha, etwa die Hälfte des Bodens, der als sehr fruchtbar bezeichnet werden konnte.

Christliche Missionierung und die Einbindung in das westliche Bildungssystem beeinflussten vor allem die Bevölkerung des Hochlands und verschärften wirtschaftliche Unterschiede; die koloniale Politik verhalf vor allem bei den Kikuyu einer kleinen Elite zu Reichtum und Macht. Die enteigneten Bauern wurden zur Klientel einheimischer Grossgrundbesitzer oder waren als Kontraktarbeiter und Pächter (squatters) weisser Farmer abhängig und schlecht gestellt.

Die britische Verwaltung schuf einen kolonialen Raum in drei Teilen. Das „weisse Kenya“ in den Highlands und den Städten Mombasa und Nairobi war geprägt durch den Standesdünkel der kolonialen Beamten und krassen, teilweise primitiven Rassismus der Siedlergesellschaft. Ihr galt bevorzugt die wirtschaftliche und soziale Förderung der Kolonialregierung. Das „schwarze Kenya“ der Reservate, der squatters und der Lohnarbeit, lebte kulturell und wirtschaftlich teilweise abseits des modernen Bereichs, teilweise mehr oder minder stark integriert. Tribale Identität spielte eine wichtige Rolle, weil die Kolonialregierung durch die getrennte Zuweisung von Reservaten, die unterschiedliche Behandlung der einzelnen Gruppen und durch die indirect rule ein tribales Bewusstsein verstärkt bzw. überhaupt erst geschaffen hatte. Die indische („Asians“) und die arabische Bevölkerung teilten den sozialen Raum mit der afrikanischen Mehrheit, und verstanden sich doch auch wieder als etwas ganz anderes. Ein dritter Raum sind die schwach bevölkerten Gebiete im Hinterland der Küste und im Norden, wo nomadisierende Hirten oder Subsistenzbauern sich der kolonialen Verwaltung so weit als möglich entzogen, sich immer wieder auflehnten, und daher häufig einer Militärverwaltung unterstanden.

Unter der „nichtweissen“ Bevölkerung des zweiten Raums entstanden bald nach dem Ende des Ersten Weltkriegs politische und gewerkschaftliche Bewegungen, die die Kolonialverwaltung wohlwollend gewähren liess, solange sie das koloniale Regime nicht infrage stellten. 1944 gründeten Unterstützer des ersten afrikanischen Kandidaten im Legislativrat, Eliud W. Mathu, die Kenya African Union (KAU). Während  ein Teil ihrer Mitglieder mit den Briten kooperierte, wurde der radikale Flügel zu einer der drei Säulen, auf die die antikoloniale Revolte der „MauMau“ aufbaute. Die zweite Säule bestand aus städtischen Arbeitern und hatte ihre Basis in Nairobi. Die städtische Bevölkerung war besonders betroffen von den steigenden Lebenshaltungskosten. Die dritte Gruppe bestand aus ländlichen Arbeitern und Pächtern, die abhängig von der Siedlerökonomie waren. Nach 1945 versuchten viele Farmer die squatters loszuwerden oder aus ihnen Lohnarbeiter zu machen.

Die Forderung der Nationalisten (bzw. der Landlosen) nach „Freiheit und Boden“ wurde mit verstärkter Unterdrückung beantwortet. Anfang 1952 brach eine Revolte aus, die sich vor allem gegen Produktion (Viehverstümmelung, Abbrennen von Weiden) sowie afrikanische Kollaborateure der Kolonialregierung und der Farmer richtete. Der Versuch der Briten, den Aufstand gewaltsam niederzuschlagen, löste verstärkte Gegengewalt aus. Die Massnahmen der Kolonialarmee, aber auch die hohen Verluste unter den MauMau und der Zivilbevölkerung liessen die bewaffneten Aktionen nach 1955 allmählich weniger werden, doch der Ausnahmezustand blieb bis 1959 aufrecht. Die Revolte eines Teils der Kikuyu, der sich allerdings auch Angehörige anderer Völker angeschlossen hatten, war ein bedeutender Schritt im bewaffneten Kampf gegen den Kolonialismus in Afrika, doch kein nationaler Akt im Sinne des modernen Kenya, obwohl ein Teil der kenyanischen Elite sie später so verstanden haben wollte.

Für einen Teil der Elite, an ihrer Spitze der spätere Präsident Jomo Kenyatta, bildeten die Revolte und ihre Niederschlagung eine Startbasis für die spätere politische (und wirtschaftliche) Karriere. Kenyatta wurde 1953 verurteilt und sass bis 1961 im Gefängnis. Einmal in eine verantwortliche politische Position gekommen, zögerte Kenyatta nicht, gegen die Reste der Rebellenarmee vorzugehen. Ihre Mitglieder blieben unbedankt; der Sieg gehörte jenen, die während des Ausnahmezustands im Gefängnis gesessen hatten und den Kollaborateuren der Kolonialregierung.

Während ein Teil des Landes von Krieg und Ausnahmezustand beherrscht wurde, bereitete sich der Rest auf eine einvernehmliche Entkolonisierung vor, bei der wie überall sonst die nationale Elite die Büros und Ämter der Kolonisatoren übernahm und unter dem Applaus der Massen eine Unabhängigkeit verkündeten, die allen etwas versprach, wenigen jedoch etwas gab. Die landwirtschaftliche Produktion – Tee, Kaffee, Pyrethrum und Sisal, und für den lokalen Bedarf Getreide – profitierte vom Monopol des Staates im Handel, das sich während des Krieges herausgebildet hatte, und feste Preise für Produkte wie auch fixe Abnahmequoten garantierte. Industrie und Gewerbe erzielten aufgrund des geschützten ostafrikanischen Marktes gute Erträge.

Bestand die britische Regierung in den späten 1950er Jahren noch auf einer Sonderstellung der Siedler im spät- und postkolonialen Kenya, so schwenkte sie ab 1960 auf die Unterstützung der bürgerlichen kenyanischen Elite ein. KANU, Kenya African National Union unter der Führung von Jomo Kenyatta, Tom Mboya und Oginga Odinga vertrat in erster Linie zentralkenyanische Völker wie Kikuyu und Luo und wurde rasch die dominierende politische Kraft im Land.

Die ersten allgemeinen Wahlen im Sommer 1963 gewann KANU überlegen und im Dezember 1963 wurde Kenya unabhängig. Die Abgeordneten der Opposition wechselten zur Regierungspartei und ab 1964 war Kenya damit – de facto, aber nicht de iure – ein Einparteienstaat. Unter den führenden Politikern unmittelbar hinter dem Präsidenten herrschte keineswegs Einigkeit über die einzuschlagende Politik. Die Gegensätze waren, obschon oberflächlich ideologisch begründet, tatsächlich eher persönlicher Natur. Tom Mboya vertrat eine kapitalistische Entwicklung mit Ausrichtung auf die USA und Oginga Odinga eine sozialistische mit Bezug auf China, UdSSR und fortschrittliche Staaten der „Dritten Welt“. Der Weg Mboyas, der 1969 einem Attentat zum Opfer fiel, setzte sich durch. Kenyatta baute seine „präsidiale Monarchie“ aus, beseitigte die Opposition mit legalen Mitteln oder Gewalt, kaufte andere durch Ämter oder wirtschaftliche Begünstigung. In Politik und Wirtschaft dominierte fortan der Clan von Kiambu, aus dem sich die engere politische Führung um Kenyatta rekrutierte. Andere Fraktionen der Kikuyu und die zweite grosse ethnische Gruppe der Luo wurden ebenso wie der Rest der Bevölkerung ausgegrenzt. Theoretisch stand es allen Bürgern offen, sich um politische Posten zu bewerben (oder sogar neue Parteien zu gründen), doch sorgten restriktive Zulassungsbestimmungen dafür, dass nur genehme Kandidaten zu Wahlen antraten. Dem Parlament kam wenig Entscheidungskraft und Einfluss zu, doch wurde dort immer wieder, vor allem Anfang der 1970er Jahre, mit erstaunlicher Offenheit und mit viel persönlichem Mut debattiert und kritisiert.

Die Kontrolle der Wirtschaft und der Ressourcen des Landes lag in Händen einer Minderheit. Bereits vor der Unabhängigkeit hatte sich eine Allianz aus Kolonialverwaltung, europäischem Kapital (investiert in Plantagen, Handel und Industrie), Vertretern der Farmer und Repräsentanten der einheimischen Elite gebildet. Sie war bestrebt, den Charakter der Landwirtschaft – gekennzeichnet durch Grossgrundbesitz und Produktion von cash crops – zu erhalten. Kenyas Status als Subzentrum, von dem aus das übrige Ostafrika mit Waren beliefert wurde, förderte Industrie und Handel.

Die Landbesitzfrage sollte durch eine Kenyanisierung der Farmen gelöst werden, wobei Grossbritannien neben der kenyanischen Regierung die Absiedlung der Siedler finanzierte. Das britische Projekt der Umverteilung von Land an kleine Bauern schlug fehl. Vor allem im Weg der Übernahme kompletter Betriebe entstand mit Unterstützung der Regierung und der Banken mittlerer und Grossgrundbesitz in Händen der (politischen) Elite. Andere Sektoren der Wirtschaft wurden durch lokale indische Unternehmer oder Töchtergesellschaften transnationaler Firmen wie Lonrho, Nestle oder Firestone kontrolliert. Zur Absicherung ihres Bestehens überliess das internationale Kapital Managementpositionen Angehörigen der Oberschicht. Die politische Kontrolle über die Gewerkschaften garantierte die Profite aus der industriellen und gewerblichen Produktion.

Der Tourismus erlebte ab dem Ende der 1960er Jahre eine rapide Aufwärtsentwicklung. Das billige Chartergeschäft machte Kenya jedoch zu einem Reiseland fraglicher Qualität und innenpolitische wie globale Krisen brachten immer wieder Einbrüche des Umsatzes.

Der breiten Gruppe von Kleinbauern und Viehzüchtern sichert(e) ihre Arbeit kaum mehr als die Subsistenz; neben der Politik zugunsten von Grossgrundbesitzern waren (und sind) dafür Klimaschwankungen und Knappheit an fruchtbarem Boden verantwortlich. Ihnen gleich im städtischen Bereich bzw. im Randbereich agrarischer Betriebe sind die Arbeitslosen bzw. die Gelegenheitsarbeiter, deren Existenzbedrohung aus der Knappheit an Arbeitsplätzen, den steigenden Preisen der Grundnahrungsmittel und den sinkenden Löhnen entsteht. Der informelle Sektor bietet Beschäftigungsmöglichkeiten, die jedoch oft kein hinreichendes Einkommen garantieren. Kriminalität und Prostitution sind in vielen Fällen die letzten verzweifelten Schritte, um die existentielle Vernichtung zu verhindern. Dem gegenüber erscheint die zahlenmässig kleine Gruppe von Arbeitern im formellen Bereich bereits privilegiert („Arbeiteraristokratie“).

Nach Kenyattas Tod im August 1978 gelang es Vizepräsident Daniel arap Moi aus der kleinen Voksgruppe der Kalenjin sich als Präsident und Parteiführer durchzusetzen. Seine Politik war von einer vorsichtigen Taktik der steten Zermürbung des Kenyatta-Klans, einer zurückhaltenden und konservativen Aussenpolitik sowie einem verstärkten Regionalismus gekennzeichnet.

Ende der 1970er Jahre setzte eine Rezession ein, die für die breite Bevölkerung vor allem durch starke Verteuerung bei lebensnotwendigen Gütern spürbar wurde. Der krasse Gegensatz zwischen arm und reich wurde vor allem in den Städten immer deutlicher. Als gesellschaftliche Extreme erschienen auf der einen Seite Menschen, ja Völker, die durch die Trockenheit und die Verschlechterung der Böden in ihrer physischen Existenz bedroht waren (und sind, wie Turkana oder Teile der Somali), auf der anderen Seite neureiche Wirtschaftsleute und Politiker, die sich nicht scheuen, Luxus öffentlich zur Schau zu stellen.

1982 machte die Regierung Kenya auch gemäss der Verfassung zum Einparteienstaat. Die Opposition wurde in den Untergrund verdrängt. Angehörige der Luftstreitkräfte revoltierten im August 1982 und lösten damit Unruhen in Nairobi aus. Soldaten und Angehörige des Lumpenproletariats plünderten Geschäfte und bedrohten Bürger. Nairobi war in Panik, bevor Polizei und Armee den Aufruhr brutal niederschlugen. Das repressive Verhalten der kenyanischen Führung löste international harte Kritik aus. Anfang der 1990er Jahre stoppten die USA, Kanada, Norwegen und andere Industriestaaten Hilfeleistungen und Kredite teilweise oder zur Gänze. Aber auch dies zeigte – trotz der wirtschaftlichen Krise in die auch Kenya geraten war – nur langsam Wirkung. Ende 1991 musste Moi den Wechsel zu einem Mehrparteiensystem akzeptieren, doch änderte sich dadurch nichts an der Vorherrschaft von KANU. Die Spannung im Land blieb und der Gegensatz zwischen arm und reich gewann weiter an Deutlichkeit, zugleich auch regional-tribalistische Differenzen, die mit wirtschaftlichen Mitteln, oft aber auch mit nackter Gewalt ausgetragen wurden.

Die Opposition blieb zerrissen; selbst innerhalb der Regierungspartei kam es zur Bildung antagonistischer Fraktionen. Mit Unterstützung westlicher Geber wuchs die Kritik am Regime Moi durch zivilgesellschaftliche Organisationen. Immer wieder kamen neue Korruptionsfälle ans Tageslicht, aber die Demonstrationen gegen Korruption und Umweltskandale führten eher zur Verhaftung der Demonstranten – mit eingeschlossen Parlamentsabgeordnete – als zur gerichtlichen Verfolgung der Schuldigen, die sich nicht zuletzt im engen Umfeld des Präsidenten fanden.

Die Jahre um 2000 waren geprägt von wirtschaftlichem Niedergang, Dürrekatastrophen und steigender Gewalt. „Raubüberfälle waren häufiger als Regen. Aus Angst blieben die Touristen aus“ schreibt Nicholas Githuku in Mau Mau crucible of War: Statehood, National Identity, and Politics of Postcolonial Kenya.

Die Wahlen 2002 brachten einen Sieg von Mwai Kibaki, Kandidat der oppositionellen National Rainbow Coalition, über den von arap Moi geförderten Uhuru Kenyatta. Die internationalen Wahlbeobachter nannten es die ersten freien und gerechten Wahlen in Kenya. Die erhoffte Besserung stellte sich nicht ein. Der Kampf gegen Korruption, den Kibaki versprochen hatte, blieb aus. Immer häufiger deckte die Presse auf, dass hohe Politiker und Verwandte des Präsidenten in Affären von Korruption und Drogenhandel verstrickt waren. Der Entwurf einer neuen Verfassung, die die Macht des Präsidenten einschränken sollte, wurde so lange umgeschrieben, bis nichts mehr von den Einschränkungen übrig war; konsequenterweise erfuhr sie in der Volksabstimmung von 2005 eine Ablehnung. Mit der Auseinandersetzung um die Verfassung hatte sich die Ethnisierung der politischen Landschaft verstärkt, und als Folge kam es nach den Wahlen von 2007 zu schweren Unruhen, die über 1.000 Menschenleben forderten. 250.000 wurden ob ihrer ethnischen Zugehörigkeit vertrieben oder flüchteten bevor ihnen Gewalt geschah. Die Auseinandersetzungen endeten erst, als Kibaki seinen Gegner Raila Odinga 2008 zum Regierungschef machte. Es kam weder zu einer Anklage gegen Verantwortliche für die Auseinandersetzungen, noch zu einer Verringerung der Korruption. Immer wieder gab es politisch motivierte Morde.

Kenyas Gesellschaft ist geprägt durch zwei Formen extremer Ungleichheit: Da ist einerseits der extreme Gegensatz zwischen den armen Massen und der reichen Elite, andererseits regionale Diskrepanz, die als Ungleichheit in Bezug auf Bildungschancen, Infrastruktur oder Gesundheitsversorgung sichtbar wird. „Ein Kind in Nyanza Provinz ist viermal so stark gefährdet vor der Erreichung des 5. Lebensjahres zu sterben als ein Kind, das in Central Province zur Welt kommt“ schreibt Daniel Branch in seinem Buch Kenya: Between Hope and Despair, 1963-2011. Und er verweist auf das schizophrene politische und soziale System, in dem eine lebendige Zivilgesellschaft und freie Presse, die Korruption und Menschenrechtsverletzungen aufdeckt, gewaltbereiten Gruppen und skrupellosen Politikern gegenüber steht.

An diesem Befund änderte sich wenig. In den Präsidentenwahlen von 2013 gewann Uhuru Kenyatta gegen Raila Odinga; befürchtete Gewaltausbrüche blieben aus, doch sowohl Kenyatta wie sein Vize Ruto erwarteten ein Verfahren des International Criminal Court wegen ihrer Verantwortung für die Gewaltakte von 2007. Uhuru Kenyattas Wahlsieg im August 2017 wurde vom Höchstgericht annulliert – zur Wiederholung im Oktober trat Gegenkandidat Odinga nicht mehr an. Wieder gab es Gewalt – bereits im Juli hatten Unbekannte die Verantwortlichen für das Computersystem der Wahlbehörde gefoltert und erwürgt – wie Odinga meinte, weil sie sich geweigert hatten das Passwort für das System herauszugeben. Der Streit zwischen Kandidaten für die nächste Wahl 2022 hat bereits begonnen. Während die Regierung stolz darauf war, im Mai 2018 einen eigenen Satelliten ins All geschickt zu haben, litt die Bevölkerung unter Überschwemmungen, Dürre und Heuschreckenschwärmen.

Im Schlusskapitel seines Buches „Mau Mau crucible of War: Statehood, National Identity, and Politics of Postcolonial Kenya” schrieb Nicholas Githuku 2016:

Kenya übernahm ein koloniales Erbe, das Differenzen und Interessenskonflikte zwischen seinen Menschen förderte. Es ist ein Erbe, das zur ungleichen Entwicklung von Regionen und Völkern führte. Mehr noch, der postkoloniale Staat Kenya stützt sich immer noch auf Zwangsmassnahmen und primitive Aneignung. Er ist daher ein Staat, der immer noch nicht den immanenten Wert des Einzelnen anerkennt. Ja, Individuen wie Gemeinschaften sind für den Staat da und die Wenigen, die über ihn verfügen. […]
Die Mehrheit der Kenyaner lebt immer noch mit allen möglichen Formen von Entmenschlichung und Herabsetzung, fehlenden Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung, [,,,] Es besteht wohl die Möglichkeit, dass Rechtsstaatlichkeit, die Schaffung nationaler Solidarität auf der Grundlage gemeinsamer Werte sowie das Bekenntnis zur fairen und gleichen Chancen für alle sich endlich durchsetzt.“ […]
Der gelungene Weg in eine glänzende Zukunft ist der Aufbau einer gerechten Gesellschaft, einer neuen politischen Ordnung, und einer stabilen Regierung, die sicherstellt, dass die Mehrheit der Bevölkerung, ganz simpel gesagt, ihren fairen Anteil am Kuchen seiner Uhuru, seiner Souveränität, bekommt.
“ (Githuku, Nicholas K. 2016. Mau Mau crucible of War: Statehood, National Identity, and Politics of Postcolonial Kenya. Lanham: Lexington Books, pp. 485ff)

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